Bild oben:
Nitmiluk Nationalpark.
39. Tag / Donnerstag, 3. Mai
Wir treffen uns zum Frühstück um halb acht im Visitor Center. Clive ist ein Macher. Unaufdringlich aber bestimmt managt er die Dinge. Um 11 hat er mich aufs Ausflugsboot durch die Katherine Gorge gebucht, um 14 Uhr auf den Helikopter. Ausflugsboot klingt furchtbar nach spießiger Touristenveranstaltung. Ist es auch. Aber die flachen Aluminiumboote sind ist eine gute Möglichkeit, sich aufs Wasser und die Landschaft zu konzentrieren. Wer will, kann auch Kanus leihen. Ich bin mit dem „Wassertaxi“ aber äußerst zufrieden. Die Perspektiven sind großartig.
Clive, der Macher
Clive hat mir gestern schon einen Schlüssel für die 4-Wheeldrive-areas angeboten. Viele Strecken sind noch geschlossen. Ich habe ihm gesagt, dass man mir im Besucherzentrum in Katherine gesagt hat, dass die Geländewagenstrecken alle gesperrt seien. „Das ist eben der Unterschied“, grinst er mich an. „Die einen haben einen Schlüssel, die anderen nicht“. Mal sehen, ob ich das Schlüsselangebot noch annehmen werde. Ganz sicher werde ich aber das Angebot nicht ausschlagen, nachher mit dem Helikopter über den Nationalpark zu fliegen. Clive erzählt mir im Gespräch, dass die touristischen Einrichtungen im Nationalpark inzwischen zu 100 Prozent in der Hand der Aborigines sind (Jawoyn-Aboriginals) und das auch gut so sei. Mit Don habe man einen ausgezeichneten Manager, die Einnahmen aus dem Tourismus fließen in die richtigen Kanäle. Die Regierung des Northern Territory, die Jawoyn und die Parkverwaltung arbeiten Hand in Hand. Und deshalb sei es auch falsch den 5-Sterne-Standard von vorneherein zu verteufeln. Und während wir auf der Terrasse sitzen und den wunderschönen Ausblick genießen können, ist mir gar nicht bewusst, dass das bereits ein Teil des 5-Sternekonzeptes ist.
Crocodile Rock
Irgendwann schaltet das Boot auf dem Katherine River den Elektromotor ab. „Da hinten am Ufer“, macht uns der Guide aufmerksam. „Direkt am Baum vorm Gras.“ Es dauert eine Weile, aber dann ist es auch mit dem bloßen Auge zu erkennen – wahrscheinlich ein Süßwasserkrokodil, ein harmloser Fischfresser. Im Gegensatz zum gefährlichen Salzwasserkrokodil an der schmalen und längeren Schnauze zu erkennen. Das Zoom der Kamera holt den Burschen näher ran. Hmmm, ist die Schnauze wirklich lang und schmal? Zumal bekannt ist, dass bei Hochwasser auch Salzwasserkrokodile weit flussaufwärts eindringen können. Aber die Hochwassersaison ist ja vorbei. Es geht weiter flussaufwärts. Weiter durch die Katherine Schlucht. An dem Bild hätte Karl May seine Freude gehabt. Hin und wieder hört man Wasser von den Felsen plätschern, die Vögel tragen den Rest zur eigenen Atmosphäre mit der „felswandverstärketen“ Akustik bei. Zwei Stunden verbringen wir auf dem Katherine River.
Luftsprung
Inzwischen ist Ben, mein Pilot, gelandet. Raus aus dem blauen und rein in den gelben Helikopter. „Dann lass uns mal ein paar Runden drehen“, treibt er meine Spannung an. Wie sieht das Ganze wohl von oben aus? Interessant. Das, was man zwei Stunden lang vorher aus der Froschperspektive gesehen hat, auf einmal in der Zusammenfassung aus der Vogelperspektive rekapitulieren zu können. Zwischenzeitlich landen wir oben auf der Schlucht. Zeitgleich mit einem amerikanisches Paar, das den blauen Vogel gebucht hat. Nach einer halben Stunde ist die Luftnummer zwar schon wieder vorbei, aber es war die ideale Ergänzung der Tour zu Wasser. Diese Erfahrung würde mir fehlen, hätte mir Clive nicht gleich den Helikopter „angedreht“. Leider habe ich in der Luft nur ziemlich lausige Videosequenzen aufgenommen – mit meinem 100-Euro-Knipsapparat. Nicht wirklich gut. Aber für einen kleinen Ausblick von oben und die damit verbundene Vorstellung, wie es war, muss es reichen. Gibt ja nichts anderes. Den noch schlechteren Ton habe ich mit Wagner kaschiert. Möge mir Francis Ford Coppola gnädig gestimmt sein.
Wieder Bodenhaftung
Was für ein ereignisreicher Tag heute! Ich habe verdammt viel gesehen. Es werden mal wieder die Bilder sein, die hoffentlich für sich sprechen.
Den weiteren Nachmittag verbringe ich auf dem Campingplatz. Mit meinen Nachbarn, Helen und Mark O’Sullivan, habe ich ein kurzweiliges und witziges Paar erwischt. Er ist irischer, sie deutscher Abstammung. Den ganzen Nachmittag über gelingt uns eine gute Mischung zwischen interessantem Gespräch und Entertainment.
Tja, so kann es gehen. Werner in Katherine hat mich an Clive im Nitmiluk-Nationalpark weitergereicht, Clive hat auch schon wieder eine Adresse für mich. Einerseits ist es sicherlich ihr Geschäft, auf der anderen Seite helfen sie gerne. Vielleicht ist letzteres aber auch nur Einbildung. Ich glaube aber, eher nicht.



















































