Bild oben:
Überraschung am Tagesziel: Upper Pools in Edith Falls.
40. Tag / Freitag, 4. Mai
Es war mit Abstand die schönste Nacht. 25 Grad, Vollmond, keine Fliegen, keine Moskitos. Ich sitze mit freiem Oberkörper im Stuhl und trinke ein Bierchen, wenn auch nicht nach dem andern. Ein Grund zum Feiern wäre durchaus angebracht, denn es ist das erste Mal auf meiner Tour in Australien, dass ich nicht von irgendetwas gebissen oder gestochen werde. Und das ganz ohne Insektenschutzmittel. Auf dem Campingplatz zirpen nur die Zikaden und gegen später räumen die Wallabys auf.
Von Tieren und Menschen
Tagsüber ist es nur ein ganz bestimmtes Wallaby, das, zutraulich und frech genug, bei den Leuten bettelt. Die beiden Familien aus Ostdeutschland von nebenan haben es bisher ordentlich gefüttert und wundern sich jetzt, warum sie es nicht mehr losbekommen. Selbst eine persönliche Ansprache im Befehlston mit ordentlich Drohpotential im Unterton verfehlt seine Wirkung. Wesentlich hinterhältiger gehen aber die diebischen Vögel vor. Kaum steht man vom Frühstückstisch auf, zack, kommen die die „blue-faced honeyeater“ angeflogen und schnappen sich was in den Schnabel passt. Als großer Heinz-Sielmann-Fan habe ich natürlich große Freude „an den kleinen Burschen, denen wir Menschen, meine lieben Zuschauer, reichlich Gelegenheit bieten, ihre diebischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.“
Nicht immer wird zu Tische gebeten
Hellen und Marc O’Sullivan bieten mir am Morgen heißes Kaffeewasser und Toast an, wir erzählen uns Geschichten. Hellen ist heute früh ziemlich erschrocken. Als sie aus dem Zelt geht, sieht sie unterm Tisch ein kleines Wallaby. Sie hat es im ersten Moment nicht zuordnen können. Auch die fetten Riesenkröten (Aga-Kröten) springen in aller Frühe noch vereinzelt davon und suchen sich schattigere Plätze. In der Nacht versammeln sie sich besonders gern am Waschraum. 1935 aus Südamerika nach Australien eingeführt, um eine Käferplage auf den Zuckerrohrplantagen zu bekämpfen, sind die bis zu 20 cm langen Riesenkröten seitdem selbst eine Plage geworden. Sie fressen alles, was in ihr Maul passt. Zudem verfügen sie über ein starkes Gift, das selbst Schlangen und Krokodile töten kann. Diese wahre Pest dehnt sich immer weiter aus und stört massiv das ökologische Gleichgewicht.
Kein Transit
Von den O’Sullivans verabschiede ich mich nach dem Frühstück (ohne zu wissen, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird). Clive hat mich noch am Campground in Edith Falls an der Westgrenze des Nationalparks angemeldet. Eine direkte Verbindung innerhalb des Nationalparks nach Edith Falls in nord-westliche Richtung gibt es nicht. Ich muss die Zubringerstraße von der Katherine Gorge zurück nach Katherine und dann auf dem Stuart Highway knapp 40 Kilometer nach Norden, um anschließend wieder erneut auf einer Zubringerstraße die letzten 20 Kilometer nach Edith Falls zu fahren.
Plunge Pool
Dort auf dem Campingplatz finde ich (inzwischen muss ich sagen selbstverständlich) ein sehr lauschiges Plätzchen zum relaxen und einen Riesen „Plunge-Pool“, natürlich zum „Plungen“. Das ist mal wieder für Körper und Seele ein wahrer Genuss. Aber diese herrliche Kulisse wird in der Tat noch getoppt. Ein relativ kurzer Aufstieg führt zum „Upper Pool“, dorthin, wo das ganze Wasser herkommt. Das hier oben ist einfach sensationell. Und dazu sorgt das Wetter mit seinen rund 25-30 Grad für die passende Außentemperatur. Ein Wohlfühlplätzchen.
Badezimmer oben
Als ich anmarschiert komme, hält mich wieder mal jemand für einen Ranger. Möglicherweise liegt es an meiner Ausstrahlung (anders kann ich es mir eigentlich gar nicht erklären 😉 oder an meinen Klamotten. Ich bin draußen fast immer in Stiefeln unterwegs, zumal ich die Schlangenlektion von Rex in Reptile Center in Alice Springs nicht vergessen habe. Dieses Mal ist es ein Franzose. Er möchte wissen, ob er und seine Freundin weiter südlich noch Salties, Salzwasserkrokodile, sehen könnten. Ich gebe ihrer Hoffnung keine Nahrung und rate ihnen, in den Kakadu Nationalpark zurückzufahren und eine Bootstour zu buchen. Die Wahrscheinlichkeit, dort dann das ein oder andere Salty dann zu Gesicht zu bekommen, stiege damit beträchtlich. Ich weiß nicht, ob er meinen Rat befolgt hat. Und woher ich das wußte? Mates, hier draußen hört man so das ein oder andere. Morgen will ich die echten Ranger mal nach den 4-Wheel-Strecken fragen. Clive hatte ja etwas von einem Schlüssel erwähnt, der Zugang gewähren soll.






































