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Alltagsgegenstände der Aborigines – und doch Kunst.
24. Tag / Mittwoch, 18. April
Leider konnte ich mit Craig nicht in den Bush, damit er mir ein paar Dinge über Buschnahrung und Buschmedizin beibringen kann. Wenn er eine Tour macht, dann ist das selbstverständlich Bestandteil. Aber heute hat er nur wenig Zeit. Vielleicht hat er nur keine Zeit, Dinge nicht vollständig tun zu können wie es sich für eine Tour in den Bush gehört. Denn wir unterhalten uns über eine Stunde, ohne dass er drängen würde, er müsse jetzt dies oder das tun. Craig erzählt ausgiebig. Über die Natur, über die Widersprüche der Weißen und der Aborigines. Er ist aufgeweckt, ja, hellwach. In dieser guten Stunde bekomme ich die Spur einer Ahnung, was die „local people“ denken.
Zuhören
Er habe auch Verwandte in Sydney, sagt Craig, aber die seien inzwischen anders. Sie nehmen ein Leben an, das er nie führen könnte. Klimaanlage, Fernseher, Videospiele. Die Eltern würden ihren Kindern die wichtigen Dinge nicht mehr beibringen wie etwa Respekt. Respekt vor allem. Vom Baum bis zur Katze. Hier im Busch lerne man vor allen Dingen, indem man hinschaut.
Mehr als nur ein Souvenir
Craig malt auch. Ich lasse mir einige Motive erklären und kaufe ein Bild, das er signiert, und ein Buchzeichen. Als Craig 120 Dollar sagt, versuche ich nicht zu handeln. Abgesehen davon, dass ich dazu völlig unfähig bin, es ist mir die Sache wert. Außerdem hat sein Söhnchen in zwei Tagen Geburtstag.
Kurz von Alice Springs
Obwohl ich die Nacht sehr gut geschlafen habe („gut“ bedeutet, mindestens drei bis fünf Mal wach zu werden und dabei etwa einmal für eine halbe Stunde wach zu bleiben) bin ich doch ziemlich müde. (Bis Alice sind es noch knapp 80 km). Ich denke, ich brauche von dem Staub, der Wüste, den Fliegen und Mozzies einfach mal eine Auszeit. Und daher freue ich mich schon jetzt ordentlich auf zwei Tage Alice Springs, ohne zu wissen, was mich da erwartet.
Alice Springs
Alice Springs. Ich bin angenehm überrascht. Mitten im Herzen von Australiens Outback kann es ganz schön grün sein „hinterm Felsen“. Und teuer. Aber der 30-Dollar-Campground ist mir zwei Auszeittage wert. Ich suche mir auf der Tourist Information den am ruhigsten gelegenen Campground aus und mache erst mal klar Schiff. Ankommen, hinsetzen, „gucken watt is“, waschen, duschen (yeah!) und einkaufen. Mein Gott, noch vor zwei Stunden konnte ich absolut nachvollziehen, dass Craig dieses Leben nicht braucht und jetzt genieße ich es regelrecht nach einer Woche draußen im Outback. Aber ich muss und will ja auch nicht Craigs way of live leben. Aber es ist nicht schlecht, wenn man mal die Gelegenheit bekommt – wenn auch nur für ganz kurze Zeit – in ein so ein Leben wie das von Craig hineinzublicken. Tja, aber wir sind was wir sind.
Mozzies off limits
Nach dem Einkaufen wird gekocht, wobei mich das minced beef enttäuscht hat. (Ich habe viellleicht Sorgen!). Aber das Hack hatte einfach zu viel Wasser in die Pfanne abgegeben. In der Bush-Kitchen, dem Treffpunkt für viele Camper am Abend – erzählt mir dann ein Metzger, dass es nicht verkehrt ist, das Fleisch beim local butcher zu kaufen.
Denn nicht selten beliefern die auch die Supermärkte, wobei sie – nachvollziehbar – die bessere Ware lieber selbst verkaufen. Eigentlich logisch. Man muss nur drauf kommen. Also, morgen gehe ich zum local butcher, sofern ich einen finde.
Und noch was. Es gibt auf dem Campground kaum Fliegen und Mozzies. Woran das liegen mag? Zunächst egal. Ich genieße es, beim Aufenthalt im Freien, nicht gleich attackiert zu werden. Und während ich am Laptop schreibe, bleibe ich unbehelligt von allem, was mich im Outback nach nur fünf Sekunden Screen-on gepiesackt hat. Hier kann man es aushalten.









