Bild oben:
Vorausgesetzt, man parkt nicht im Ameisenhaufen.
38. Tag / Mittwoch, 2.Mai
Als ich aufwache, dachte ich, mich zu freuen, weil das Erwachen bei einem solchen Traum die Angst verfliegen lässt. Dieses Mal aber war es ein anderes Erwachen. Ich habe in der Tat in einem Nest roter Ameisen geparkt. Bloody hell, es sind Millionen auf dem Dach und sie drehen ihre Runden ums Zelt. Wie die da hoch gekommen sind ? Ganz einfach: über die Leiter, wie sonst. Ich packe gleich zusammen und verabschiede mich von den beiden Travell-and-Workern. Ich hoffe, dass der Fahrtwind einen guten Job erledigt und die 6-Beiner vom Dach holt. Die Rechnung scheint, nach einer kurzen Inspektion bei einem Zwischenstopp, aufzugehen.
Fließend Warmwasser
In Mataranka freue ich mich umso mehr auf die Thermalquellen. Der Campground hier wirkt irgendwie ein bisschen runtergekommen und die Leute ein wenig ernster. Dazu gibt es eigentlich gar keinen Grund. Denn die Thermalbecken liegen wunderschön eingebettet zwischen Palmen und subtropischer Vegetation. Keine Fliegen, keine Mozzies, so what?
Zurück am Auto sehe ich aber, dass die Ameisen von erstaunlicher Hartnäckigkeit sind. Ich gebe ihnen nochmals die Chance, sich bis Katherine vom Dach zu machen. Allein, es war ein unerfüllter Wunsch. Saubande! Katherine um 11 Uhr heißt deshalb: einkaufen, Internet und die Insektenspaßbremse ziehen. Beim Tanken (unter 11 Liter auf hundert Kilometer!) sehe ich eine Waschanlage. Einen Dollar investiere ich für 1 Minute und 45 Sekunden Hochdruckreinigung mit Seifeneinsatz. Sieht hinterher ganz gut aus. Offensichtlich haben es den Reds die zahlreichen toten Insekten im Kühler und allen Zwischenräumen, die das Auto hergibt, angetan. Nach dieser Reinigungsaktion fühle ich mich besser.
From Austria to Australia
Karin Greenlades vom Northern Territory Tourism Board hat mir schon in Deutschland den Tipp gegeben: in Katherine soll ich an der BP-Tankstelle nach Werner Sarny fragen. Er ist vor 40 Jahren hier mit einer Autopanne hängen geblieben und seither nicht mehr weggekommen. Die Story klingt gut, ich fahre zur Tanke, frage nach Werner und da kommt er auch schon zur Tür rein. Wir unterhalten uns ein wenig. Werner ist Österreicher und hat, als er nach Australien gekommen ist, erst alle möglichen Jobs gemacht. In den 60er Jahren ist er dann in die Tourismusbranche gewechselt, hat sein eigenes Unternehmen aufgebaut und dann vor 40 jahren hier in Katherine gelandet. Heute ist er schon über 70 und arbeitet, wie er sagt weniger. Keine 7 Tage mehr in der Woche, nur noch 5 1/2.
Ghan with the wind
Werner ruft noch Clive an, den Manager vom Visitor Center in Katherine Gorge. Man kennt sich. Clive lädt mich gleich auf den Campingplatz ein. Morgen früh um 7 Uhr 30 soll ich zum Frühstück kommen, danach geht’s auf den River durch die Schluchten und wenn Platz auf dem Helikopter ist, dann drehen wir auch noch eine Runde. Das ist ein Haufen Holz. Werner muss aber jetzt zum Bahnhof. „The Ghan“ läuft ein. Das will ich mir natürlich ansehen und fahre mit. Nachdem der Ghan am Bahnhof gehalten hat, war fünf Minuten später der Ghansteig voll mit Japanern.
Ein Platz für Tiere
Bis zum späten Nachmittag bin ich dann auf dem Campingplatz bei Clive in der Katherine Gorge im Nitmiluk-Nationalpark. Es gibt hier vorwitzige Wallabys (eine kleinere Känguru-Art), freche Vögel, aber keine Japaner. Die wohnen alle im Hotel. Und jetzt fällt es mir auch auf: ich habe noch nie einen Japaner in Australien auf einem Campingplatz gesehen. Halt, stimmt nicht. In Halls Gap in den Grampians, da war sogar ein junges Pärchen. Vielleicht Abenteurer – für japanische Verhältnisse.
Unterdessen wische ich noch zweimal die „roten Gesellen“ vom Auto. Mal sehen, wie es morgen aussieht.













