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Von Broken Hill nach ???

Bild oben:
Die alten Silberminen von Broken Hill.

17. Tag / Mittwoch, 11. April

Ich habe mich entschieden, doch nicht noch einen weiteren Tag zu bleiben und will schon heute weiterfahren. Da ich „erst“ um halb acht wach geworden bin, wird nicht allzu viel getrödelt. Es ist zwar immer noch reichlich Zeit, aber nevertheless, um 10 Uhr sollte ich in Silverton Das liegt zwar nur einige Kilometer von hier entfernt, aber ich will pünktlich sein. Denn heute werde ich im Boden versinken – in der Daydream-Mine.

Geschichtsunterricht

Die Daydream-Mine in Silverton bei Broken Hill. Habe trotzdem etwas Verspätung, aber Kevin hat auf mich gewartet. Keine Belehrung. Das liegt wohl am Zeitbegriff im Outback. Genaue Uhrzeit: heute. Sehr schön.

Es ist der sprichwörtliche Ausflug in die Geschichte. Kevin White ist ein alter Kauz um die 60 und sehr umgänglich. Ein echter Australier mit „Cornish roots“. Seine Vorfahren kommen aus Cornwall in England, „where the the best miners come from“, ergänzt der ehemalige Bergmann mit eindeutigem Schelmenblick. „Dort wurde schon seit dem Mittelalter Zinn abgebaut“, ergänzt er. Es macht Spaß, Kevin zuzuhören. Er managt die Minenführung locker, bringt das Ganze mit kurzen Sätzen auf den Punkt. Das Protokoll verzeichnet bei den etwa 15 Besuchern Heiterkeit.

Maloche unter Tage

In die hintersten Ecken hat man Kinder geschickt. Der Abstieg in die Mine ist wirklich ein Gang in die Geschichte. Das Leben der, wenn auch gut verdienenden, Malocher war hart und kurz. Die meisten wurden nur zwischen 40 und 50 Jahre alt. Der feine aber harte Granitstaub hat ihnen regelrecht die Lungen aufgeschnitten. Auf dem Bauch liegend haben sie den harten Granit bearbeitet, um an das Silberhaltige Gestein zu kommen. 200 Unzen haben sie aus einer Tonne Stein geholt. 12 Stunden am Tag, 45 Minuten Pause. Wenn das die IG-Metall wüsste. Die Typen schliefen eher im Sitzen, denn im Liegen, damit sie nicht mit ihren kaputten Lungen „ertranken“. Zum Teil in „Hütten“ aus Stein von nicht mal zwei (!) Quadratmetern. Gegen die Schmerzen haben sie Opium geraucht. Was für eine Maloche. Das braucht heute kein Mensch mehr. Na ja, das Opium ist geblieben.

Geschichte fürs Radio

Für SWR3 habe ich diese Reportage gemacht. Kompakt bringt Kevin White auf den Punkt, was sich hier vor 125 Jahren abgespielt hat.

Schmuggel auf dem Highway

Die 465 Kilometer auf dem Highway wieder zurück. “Thanks Kevin I’m going on”. “No Worries, see ya”. Ich mache mich auf den langen Weg über den Highway zurück Richtung Yunta. Eigentlich wollte ich von Broken Hill strikt nach Norden in den Sturt Nationalpark, und dann den Strzelecki-Track weiter Richtung Osten. Kevin hat mir davon abgeraten. Der Track sei kaum befahren. „Wenn Du eine größere Autopanne in der falschen Gegend hast, kann es sein, dass Du Tage auf den nächsten Menschen warten musst – wenn überhaupt jemand kommt“, mahnt er mich. „Es ist nicht ungefährlich.“ Ich habe weder GPS-Geräte noch Satellitentelefon dabei. Zudem reise ich alleine. Ich gehe kein Risiko ein und wähle den langen Weg über den Highway, den ich gekommen bin.

By the way wird mir in Erinnerung gerufen, dass ich das Obst, das ich aus dem Barossa Valley,South Aus tralia, nach Broken Hill, New South Wales, mitgebracht habe, nicht mehr nach South Australia zurückbringen darf. So sind die Gesetze hier. Man fürchtet die Fruchtfliege wie der Teufel das Weihwasser. Überall an der Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten standen schon bei der Herfahrt große Schilder mit deutlichen Warnungen. Obwohl es sowohl hier als auch dort Orangen aus den gleichen Herkunftsländern gibt. Obelix wüßte an dieser Stelle, was angesichts dieser Regelung zu sagen wäre. Aber weil ich bei der „Einreise“ schon gar nicht mehr an die Orangen gedacht habe, will ich sie wenigstens nicht mehr zurücknehmen und ein weiteres Verbrechen begehen. Mit schlechtem Gewissen versuche ich, sie noch auf dem Campingplatz zu verschenken. Ohne Erfolg. Sogar bei Gils Familie ist der Vitaminbedarf gedeckt.

Ein Gesetz, das nicht „fruchtet“

Kleines Wettrennen mit dem Güterzug - bei Tempo 80! Wegwerfen kommt aber nicht in Frage. Also entschließe ich mich, das Zeug wieder mitzunehmen, um an der Grenze die Folgen dieses schwachsinnigen Gesetzes zu erleiden und meine – sicherlich gewaltsame – „Entfruchtung“ zu dokumentieren.
Ich fahre und harre der Grenze – aber sie kommt nicht. Ich bin doch vor 2 Tagen hier entlanggekommen, da standen doch all diese Schilder. Ja, wie sich jetzt zeigt, aber nur in eine Richtung und zwar in die nach New South Wales. Zurück sieht dann alles ganz anders aus. Und das einzige, was mich an den Wiedereintritt in den Bundesstaat South Australia erinnert, sind die Rückseiten der Warnschilder mit dem Hinweis, dass „Früchteschmuggel“ nach New South Wales hart bestraft wird. Naja, um so besser. Die Orangen aus Greenock am Kaiser Stuhl schmecken – sozusagen reimportiert – noch besser.

Shower-Geschichte

Es reicht für heute. Ungemütlicher Highwayrastplatz hin oder her. Gegen halb fünf komme ich direkt am Highway auf einen „Campground“, der nichts anderes ist als ein staubiger Parkplatz bei der Tanke. Ich habe keine Lust mehr, weiterzufahren und will auch gar nicht wissen, wo genau ich bin. Hauptsach, es ist immer noch die A32 (und A steht hier mit Sicherheit nicht für Autobahn), auf der ich auch hergekommen bin. Der Standplatz kostet 10 Dollar, „unpowered“, aber mit Dusche.
Von Eddy, der mit Frau und Enkelin unterwegs ist, erfahre ich, dass man durchaus auf den kostenlosen Rest Areas entlang der Highways übernachten kann. Manchmal ist dort sogar eine Toilette dabei. Und von Kriminalität dort habe er noch nichts gehört. Wieder was gelernt. Werde ich mir merken. Aber jetzt ich will nicht mehr weiter fahren. Und für die 10 Dollar gehe ich jetzt erst mal duschen. See ya.

Bilder vom Tag

In Broken Hill über den Kreisverkehr ...... raus nach Silverton.Auch vor 125 Jahren Jahren war hier nichts ...
... bis Silber entdeckt wurde.Eine von vielen: die Daydream-Mine.Es wurde einfach drauflos gegraben. Oft zunächst senkrecht nach unten ...
... oder mehr waagrecht.Das Fundament der Schlafstätte eines "Miners". Hier haben die Digger, meist nur mit einem einem Wellblechdach darüber, geschlafen. Oft in halb sitzender Position.Kevin White, ein Geschichtenerzähler vorm Herrn.
Unter Tage wird es dann eng ...... sehr eng.Der Stoff für's Grobe ...
... und das Handwerkszeug für den Rest.In solche Löcher (hier geht es fast senkrecht runter) hat man Kinder geschickt ...... die das Gestein in solchen 25 kg-schweren Eisenkübeln zurückschaffen mussten.
Wesentlich angenehmer: Die Strecke von Broken Hill zurück auf dem Highway Richtung Flinders Range.In die gleiche Richtung, nur wir beide.Feierabend für heute. Keine Lust mehr, weiterzufahren.
Corpus delicti: die Orangen aus dem Barrossa Valley.Der Kleiderschrank.Immer in Griffweite zur Rechten: u.a. Karten und Atlas.
Nicht klein, aber einer der kleinsten hierzulande.Für die gehts gleich weiter. Tauschen möchte ich trotzdem nicht. Ich hasse solche Tiertransporte.Viel Platz auf dem "Campground" direkt am Highway. Das hat auch seinen Grund.

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