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Broken Hill

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Broken Hill, die Silberminenstadt.

16. Tag / Dienstag, 10. April

Der zweite Tag hat immer etwas Schönes. Nicht aufbrechen müssen, gucken, was es so alles gibt, trödeln, alles ist möglich. Ich fahre in die City, einkaufen – inzwischen bin ich eingefleischter Woolworths-Kunde. Alles was an den Mann muss wird gebunkert: Victoria Bitter (ein Bier, das durchaus dem deutschen Pils-Geschmack entspricht) plus das 6-Pack für Gil, Wasser (of course), Käse-Schinken-Brötchen (die ziemlich weit vom deutschen Geschmack entfernt sind), Tomatensauce (man kann nie wissen) und weil man nie wissen kann, gleich noch Thunfisch. Dann geht’s rüber zur Tanke. Wie gesagt, wer über 30 A$ einkauft, der bekommt den Sprit für 4 Cent/Liter günstiger. Und wer dann beim Bezahlen noch mal 5 Aussi-Ocken liegen lässt, bekommt noch mal 4 Cent Discount. Ob sich letzteres rentiert, muss ich aber noch mal nachrechnen. Ach ja, und nicht vergessen, am Abend kommt wieder ein 590-Gramm-Steak in die Pfanne und die obligatorische Monsterzwiebel. Goil! Nun kann man denken, der Kissel hat sie nicht alle. Aber der ordentliche Appetit hängt damit zusammen, dass ich tagsüber fast gar nichts esse, weil es mir dazu viel zu warm ist und ich nahezu ausschließlich Wasser trinke. Zum Steak mit Zwiebeln gibt es nichts dazu. Vielleicht ein Stück Brot. Vielleicht. So habe ich das hier am liebsten. Und das zweite Rump (540 Gramm) werde ich die Tage verkasamatuckeln.

Broken Hill – nähere Umgebung

Umgebung um Broken Hill. Den Tag über erkunde ich die nähere Umgebung. Das Bild, das sich bietet, entspricht jetzt absolut meinen Vorstellungen von Australien. Trocken, wild und staubig.
In Broken Hill glaubte man, Mitte des 19. Jahrhunderts Gold zu finden. Die Beschreibung der Gegend durch einen Landvermesser hat dazu ausgereicht. Der Rest war Phantasie. Aufwändig aufpolierte und verlogene Prospektbeschreibung wie heutzutage – etwa bei windigen Immobilienfonds – waren damals nicht nötig.

 

Nicht nur Reden ist Silber

Eingang zu einer Silbermine aus vergangenen Tagen. Richtig rund ging es aber dann noch – mit der Stadtgründung 1883. Charles Rasp, ein Deutscher aus Cannstatt, der vor 100 Jahren in Adelaide starb, erkannte als erster, welcher Wert sich hier im Boden verstecken könnte. Er glaubte, Zinn gefunden zu haben. Es war aber Silber. Danach gab es kein Halten mehr. Vom Glücksritter bis zum Gesindel – so ziemlich alles hat sich in Broken Hill in diesen Tagen versammelt. Und jetzt bin auch noch ich hier.

Skulpturenpark

Ein einsamer Ort - voller Kunst. Etwas weiter draußen finde ich einen Skulpturenpark. Eine Anwohnerin hat davon erzählt als ich lediglich nach dem Weg zu den Silberminen gefragt habe. Wenn ich doch schon mal hier sei, müsste ich mir das unbedingt ansehen, sagte sie. Ich befolge ihren Rat – und bleibe fast eine Stunde an diesem mystisch wirkenden Ort. Für jede Skulptur gibt es eine Erklärung. Was mich den Ort noch intensiver erleben lässt.

 

Flying Doctors

Ein älteres Modell der Flying Doctors. Heute natürlich ein Ausstellungsstück. Es ist noch nicht all zu spät. Die Zeit reicht noch für einen Abstecher zum „Royal Flying Doctor Service of Australia“, kurz: den „Flying Doctors“. Im Outback kommt der Arzt mit dem Flugzeug. Alles andere wäre lächerlich. Das hatte schon 1928 ein presbyterianischer Priester erkannt – bei zwei Ärzten für ein 2 Millionen Quadratkilometer großes Gebiet – und hat den Flugservice geründet. Heute können die Fliegenden Ärzte in einem Gesamtgebiet von siebeneinhalb Millionen Quadratkilometern innerhalb von zwei Stunden jeden Menschen erreichen.

Back Downtown

"Downtown" Broken Hill. Es war wieder einer dieser Relaxing-Tage. Neben dem Ausflug in die nähere Umgebung die Stadt zu Fuß erkundet. Aber „die paar Ecken“ in die Stadt fährt man auch besser. Ich habe ja inzwischen gelernt, dass der Australier zwangsläufig in Autominuten denkt und spricht, keinesfalls in Fußminuten. (Dieses Wort dürfte hier meines Erachtens kaum existieren). Den australischen Halbstiefel (den echten Blundstone) für 89 Dollar hätte ich mir gerne gekauft, den Treter gab es aber nur noch in Größe 9 – für mich zwei Nummern zu groß. Dafür den Hema-Atlas für A$ 32,95 erworben. Er ist die ideale Ergänzung zu „Explore Australia“. Ein absolutes m u s t. Das kann im Outback auch schon einmal das Überleben sichern.

 

Eindrücke aufschreiben

Das Licht war dahin und alle, die ein scharfes Bild machen wollten, seufzten. Abends wird gebruzelt und erzählt. Die Nachbarn sind wie immer gesprächig und offen. Bis 23 Uhr mache ich noch Eintragungen und Bild-Übertragungen, zwischenzeitlich nerven Ilse und Peter mit dem ein oder anderen Tipp, den man wohl unbedingt Australien-Neulingen wie mir geben müsste. Ganz anders, angenehm und völlig unaufdringlich, indes Gil mit seiner Familie.

Bilder vom Tag

Blick auf Broken Hill.In der Tat: übersichtlich.Direkt hinter der Stadt ist die Abraumhalde aus vergangenen Tagen. Heute wächst sie nicht mehr.
Die Stadt ist klein und unaufgeregt.Die australische SPD.Außerhalb der Stadt ist Outback.
Ohne Auto nicht zu empfehlen.Aber nicht weit davon ...... auf einer Anhöhe ...
... ein Skulpturenpark.Blick durch ein offenes Fester der eigenen Sichtweise.Alles hier ...
... hat seine eigene Bedeutung ...Auch ohne Erklärung ...... ist jedes für sich ...
... ein eigener Kosmos.Aber nicht alles ...... was man sieht ...
ist Kunst. Ein Emu.Wer in diesem weiten Land zum Arzt muss, ...... der lässt ihn kommen. Der berühmte "Royal Flying Doctor Service of Australia".
Geschichte ...... und Gegenwart.Die gesamte Arztpraxis passt in einen Koffer.

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