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Die Glegeneheit, um auf dem Grand-Prix-Kurs eine Runde mit dem Geländewagen zu drehen.
6. Tag / Samstag, 31. März
Nachdem es hell geworden ist, erkenne ich, wo ich gelandet bin: auf dem Albert Park Circuit, der temporären Formel-1-Rennstrecke von Melbourne. Vor knapp 3 Wochen hat hier Kimi Räikönen den Großen Preis von Australien gewonnen. Diese Chance lasse ich mir nicht entgehen. Wenn ich schon mal da bin, dann will ich doch mal sehen, was ich aus dem Toyota rausholen kann. Ich drehe eine komplette Runde auf dem Grand-Prix-Kurs. Bei der Zieleinfahrt wird aber klar, dass die Zeit fürs Qualifying wohl nicht gereicht haben dürfte. Vielleicht in der Fußgängerklasse. Wie dem auch sei: an diesem Tag war ich auf der Strecke mit Abstand jedenfalls der Schnellste.
Vorbereitung für die Great Ocean Road
Doch genug gerast. „The Great Ocean Road“ steht heute an. Die berühmte 250 Kilometer lange Küstenstraße zwischen Geelong und Warrnambool. Es gibt Menschen, die bezeichnen die Great Ocean Road als schönste Küstenstraße der Welt. Ein Hochgenuss – bei Sonnenschein. Aber genau der fehlt. In Geelong ist der Himmel bedeckt und die Aussichten eher regnerisch. Soll wohl nicht sein mit dem Hochgenuss. Ich tröste mich mit Frühstück aus der Bordküche, trinke meinen ersten selbstgebrauten Kaffee der Tour und weiche in Milch das 5 Tage alte Weißbrot ein. Kindheitserinnerungen! Den Wettergott lasse ich einen guten Kerl sein. (Diese Entscheidung war im Nachhinein nicht die schlechteste).
Die Abfahrt kann ich noch mit Tanken hinauszögern. Die Menge ist bei gleicher Tankanzeige deutlich weniger als beim ersten Tankstopp. Verbrauch demnach rund 12 Liter. Damit kann ich leben. Aber bei der Fahrzeugrückgabe in Darwin werde ich den Karrenverleiher darauf hinweisen, dass die Spitzbuben vor mir bei der Übergabe des Fahrzeugs wohl die Tanknadel am rechten Rand festgebunden haben.
Das Wunder von Geelong
Beim Tanken muss aber dennoch ein Wunder geschehen sein. (Ob auch durchs Tanken verursacht, kann ich nicht mit allerletzter Sicherheit sagen). Die Sonne scheint! Und sie hat wohl auch vor, dies länger zu tun. Halleluja! Raus aus Geelong und runter ans Meer nach Point Lonsdale. Vor lauter Freude über die Sonne vergesse ich hier das Fotografieren. Erst auf einer Anhöhe bei Torquay, der „Surferhauptstadt“ Australiens, drücke ich wieder auf den Auslöser.
The Great Ocean Road
Die Sonne beschert mir auf der Great Ocean einen fantastischen Trip entlang der Küste. Zwischen Tempo 40 und 60 – ein Hochgenuss. So kann’s weitergehen. Die Küstenstraße macht einen kurzen Abstecher einige Kilometer landeinwärts und bietet so Berge und Wälder, bevor es wieder an die Küste geht zu den Twelve Apostles geht. Ziemlich irre: der Himmel an der Küste präsentiert sich nahzu komplett in grauem Tuch. Das sah vor einer knappen Stunde noch ganz anzers aus. Der Himmel hatte sich bei meiner Ankunft bei den Aposteln also tatsächlich verdunkelt. Ein Zeichen. Ein Zeichen, das mir sagt, die bis zu 60 Meter hohen, frei stehenden Kalksteinformationen, die das Meer im Laufe der Zeit von der Küste regelrecht abgespült hat, wirst Du nicht bei Sonnenschein fotografieren können – der gelbe Stern geht schlafen. Dann halt nicht. Teile ich eben mein Schicksal mit den zahlreichen Touristen, die es an diesem „point of interest“ reichlich gibt. Auch wenn ich solche Auftriebe nicht mag: die Twelve Apostles sind Pflichtprogramm. Das abgenutzte Wort „Sehenswürdigkeit“ wollen wir an dieser Stelle mal wieder aus der Mottenkiste holen und aufpolieren. Denn sie sind in der Tat sehenswürdig. Nur 12 sind es nicht. Beim Nachzählen bin ich lediglich auf 8 gekommen. Herrlich, diese Australier!
Warrnambool
Warrnambool, am Ende der Great Ocean Road, ist ein würdiges Etappenziel. Was für ein Tag! Und was für ein Glück mit dem Wetter. Das Glück hält an, ich finde einen sehr schönen Campingplatz, und um das Blatt auszureizen, entdecke ich auch noch einen RSL-Club. Dort, so habe ich gehört, könne man sehr gut und dazu auch noch günstig essen. RSL ist ein Verband von Kriegsveteranen. Zutritt nur für Mitglieder. Nun bin ich aber zum einen Kriegsdienstverweigerer und zum anderen schon gar kein Mitglied. Die Australier lösen dieses Problem umgehend: Durch Ausfüllen eines Zettels werde ich Mitglied auf Zeit. Und zwar genau für heute. „Come in and enjoy your meal“. Keine Minute sitze ich an einem freien Tisch und schon fragt mich die Nachbarin, ob ich nicht bei Ihnen Platz nehmen möchte. Judith ist mit ihrer Tochter Sally und der Enkelin Taylor hier. Zum sehr guten Essen kommt somit auch noch ein schönes Gespräch. Wir reden und lachen viel. Und während wir den Club verlassen, empfielt mir Sally noch eine gute Bar. Als ich ihr sage, dass ich für einen ordentlichen Barbesuch einfach immer noch viel zu früh müde werde, ist das Gelächter laut. „You are in fucking Australia mate!“, gackert Sally, was ich denn hier wollte, wenn nicht abends in eine Bar gehen? Very nice.





















