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Tennant Creek

Bild oben:
Rose Namikili weiß alles über den Busch und wie man in diesem natürlichen Lebensraum überlebt.

36. Tag / Montag, 30. April

Heute steht ein kleiner Bushwalk an. Kate von der Touristeninformation hat ein Treffen mit Rose Namikili, einer Aborigine arrangiert. Rose möchte mir einiges über das Leben im Busch und das Überleben im Busch erklären. Dazu gehört natürlich auch Bushtucker, Buschnahrung. Also alles, was man draußen an Essbarem finden kann. Erst mache ich mich aber so gegen 10 Uhr erst einmal auf in die Bücherei. Dort kann ich ins Internet und die elektronische Post abrufen. Ich erfahre, dass eine Verlängerung der Automiete nicht möglich ist. Pech. Jetzt muss ich schauen, wie ich nach dem Trip eventuell nach Alice Springs zurückkomme. Ich wollte ja SWR 3-Kollege Sascha Zeus zu seinem 50. überraschen. Ja, so alt ist der schon.

Wiedersehen

Joe treffe ich zufällig wieder an der Tankstelle. Nach einer Stunde Internet weiter in den Hardware Store, mal wieder Kleber für die Stiefelsohle besorgen. Sohle einschmieren, zusammen drücken und mit dem Vorderreifen drüberfahren. Der Druck müsste eigentlich reichen für eine ordentliche Haftung. Später Tanke. Auf der anderen Seite der Zapfsäule erkenne ich Joe. Er studiert den Spritpreis. Ein ordentliches Hallo beiderseits und dann erzählt mir Joe die Geschichte mit Wayne.

Er habe ihn am Morgen um 100 Dollar angehauen. Kein Geld mehr für Sprit, lebt ohnehin in Scheidung, die ganzen Geschichten, die man so kennt, um eigentlich stutzig zu werden. Nun, Joe ist ein guter Kerl und hat ihm die 100 Mücken gegeben. Wayne hat ihm dafür ein Handy dagelassen. Und man wolle sich dann einen Tag später in Tennant Creek punkt 12 Uhr an der Westpac Bank treffen, da bekäme Joe seine Moneten wieder. Joe hätte gleich nachrechnen sollen. Das wären, wenn man dem Ablauf von Wayne glauben wollte, 500 Kilometer, die Wayne fahren wollte, um Joe seine 100 Dollar zurückzugeben. Bei einem Spritpreis von A$ 1.40 für den Liter. Ganz zu schweigen von der inzwischen nicht mehr ganz so modernen Möglichkeit der Banküberweisung. Na ja, und jetzt ist es 11 Uhr 30 als mir Joe die Geschichte an der Tankstelle erzählt. Er soll mich doch bitte anrufen und mir sagen, wie die Geschichte ausgegangen ist.

Vom Nehmen und Geben

Fahrt zur 1. Lektion "Überleben im Busch". Um 12 treffe ich mich mit Kate. Wir essen zu Mittag und anschließend fahren wir raus ins Aborigine Culture Centre. Dort dann ein erstes Gespräch mit Rose. Währenddessen ruft Joe an. Wayne ist nicht gekommen. Und nun? Joe nimmt’s sportlich: „Was soll’s. Er hat unser Bier getrunken und 100 Dollar von mir kassiert. Und wir haben von Scratcher unsere Andenken mitbekommen. Das ist jetzt eben unsere Geschichte“. Wir lachen beide und sind der Meinung, dass diese Geschichte vielleicht sogar das Ganze wert war. Wobei er sie wesentlich teurer bezahlt hat als ich. Dann fällt mir ein: „Joe, ich habe ja ein Bild von ihm. Wenn Du zur Polizei willst, dann haben wir ein schönes Fahndungsfoto.“ „No worries Martin. See you maybe on the road again. Cheers.”

Naturkunde

Rose lehrt mich einige essentials fürs Überleben im Busch. Rose, Kate und ich fahren mit meinem Wagen raus ins Gelände. Nach Aborigine-Recht ist diese Gegend hier für Frauen bestimmt. Ich darf aber mit, weil ich in Begleitung einer Aborigine-Frau bin. Wir halten mehrmals an und Rose erklärt mir die Pflanzen. Was essbar ist, was man als Medizin nutzen kann, und dass man nur die Augen und die Ohren öffnen muss, dann kann man soviel sehen, erkennen – und somit letztendlich im Busch überleben.

 

Laufen, schauen, lernen

Rose erklärt mir, was es im Busch alles an Essbarem gibt. Hier Buschbananen und Buschtomaten, dort Medizin. Ohne Stiefel komme ich aber nicht durchs dornige Gestrüpp. Rose steht wie ich in Sandalen, hat aber keine Mühe, hinzulaufen und mir von der Heilpflanze etwas mitzubringen. Es ist eine Art Minze.Kindern steckt man sie bei einer Erkältung ins Kopfkissen.
Früh am Morgen kann man hier Buschtruthähne aufspüren. Die Aborigines schießen sie heutzutage. Früher hat man sie mit Bumerang und Speer gejagt. Auch wenn sich die Jagdgebräuche geändert haben, es ist immer gut, wenn man von den Alten die Fähigkeiten zum Überleben lernt, weiß, wonach man suchen muss. Zum Beispiel, wo man ein paar Kilometer weiter nach Wasser graben muss. Ich bedanke mich schon mal, aber Rose will uns noch an eine andere Stelle bringen.

Nach der Schule zum Essen

Das war der erste Tag in der "Buschschule". Nach dem Gespräch mit Craig in Oak Valley eine weitere wichtige Erfahrung zum besseren Verständnis der Aboriginal Culture. Und abends hat mich unsere Welt wieder. Kate lädt mich zum Essen ein. Um 8 holt sie mich mit ihrem Lebensgefährten Jeff ab und wir gehen in einen der zahlreichen RSL-Clubs, in denen man gut und günstig essen und trinken kann, was wir auch tun.
Jeff ist Maori und eines von sage und schreibe 21 Kindern der selben Eltern. Zwei Stunden hocken wir zusammen, dann habe ich auch nichts dagegen, dass ich in die Falle komme. Nur das fotografieren habe ich abends wieder vergessen. Kate und Jeff werde ich also lediglich wieder in meinen Erinnerungen finden. Aber vielleicht kennt ja der ein oder andere von Euch die beiden.

Bilder vom Tag

Nachdem ich Joe wieder an der Tankstelle getroffen habe ...geht es in die "Buschschule". Heute ist mein erster Schultag.Rose erklärt mir so einiges.
Wie die Pflanzen in ihrer Sprache heißen ...... wofür sie gut sind ...... welch man besser (noch) nicht ist ...
und Nüsse als Seife.Rose sucht aus ...... und ich setze meinen Geruchssinn ein.
Nahezu alles ist zu gebrauchen.Hier ist es nicht die Pflanze, ...... der Samen dient als "Süßspeise".
Roses Geruchsinn ist untrüglich.Meiner hingegen erhält bei der minzeähnlichen Pflanze eine leichtere Aufgabe.Wenn ich es richtig verstanden habe: essbar, ...
... essbar, ...... nicht essbar.Rose ist noch nie von einer Schlange gebissen worden, sagt sie ...
... weil sie von den Alten gelernt hat, wie man sich in der Natur verhält.Und wer die Früchte des Buschs kennt ...... und seine Zeichen lesen kann, ...
... der überlebt auch hier.

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