Bild oben:
Start ins eigentliche Palm Valley.
27. Tag / Samstag, 21. April
In der Nacht haben wieder die Dingos geheult, einer ist sogar ums Auto geschlichen. Möglicherweise um etwas Fressbares zu finden. Fehlanzeige. Nix bingo!, Dingo. Morgens noch ein kurzes enttäuschtes „Verdammt -nix-zu-holen-Geheule“ und dann wieder ab in den Busch.
Der mühsame Weg lohnt
Ins Palm Valley braucht man es gar nicht erst mit einem PKW oder sonstigem, nicht geländegängigen Fahrzeug zu probieren. Hinter einem akzeptablen Track kann es durchaus auf dem Felsen weitergehen. Die Investition in ein off-road vehicle rentiert sich aber. Nur damit erschließt sich dieses, auf seine Art einzigartige, Gebiet. Hier und sonst nirgends auf der Welt wachsen die Red-gabbage Palmen, ungefähr 3.000 im Bestand. Forscher gehen davon aus, dass die Palmensamen von australischen Ureinwohnern vor 15.000 – 20.000 Jahren hierher transportiert worden sein könnten.
Rangerins Rat
Unter anderem führt ein etwa 40-minütiger Rundweg über ein Plateau. Dort treffe ich Lynn-Ann, eine Parkrangerin. Wir laufen die Strecke gemeinsam ab und sie erzählt mir Interessante Geschichten über das Tal und über seine Pflanzen- und Tierwelt. Am Ende der kleinen Tour frage ich sie, ob es eine gute Idee sei, durch die Finke Gorge zu fahren, eine ziemlich unwirtliche Schlucht, die gewisse Ansprüche an Fahrer und Auto stellt. Sie rät ab. Erst vor zwei Tagen hätten sie ein Paar geborgen, dass mit ihrem Geländewagen und dem geländegängigen Anhänger (wie man ihn in Australien sehr oft sieht) hängengeblieben ist. Die Patrouille – die nur alle paar Tage und noch seltener diese Strecke kontrolliert – hat sie nur zufällig entdeckt, weil das Paar just in diesem Augenblick frischen Kaffee aufgebrüht hat. Sonst hätten die beiden wohl – im besten Falle – ein paar Tage hier verbringen dürfen. Wozu Kaffee nicht alles gut ist.
Versteckte Gefahr
Die Strecke Richtung Norden nach Hermannsburg führt wieder über die altbekannten Sand- und Schotterpisten in den verschiedenen Farben. Nur, dass man hier bei härterem Untergrund besonders auf den Wellblecheffekt achten muss. Der Regen wäscht mit der Zeit eine Ablaufrinne nach der andern quer in die Straße. Mit der Zeit fährt man nur noch über die „Gipfel“ dieser Miniberge. Damit ist die Bodenhaftung weitgehend eingeschränkt. Wer zu schnell ist – und das kann schon bei Tempo 60 der Fall sein -, verliert die Kontrolle über den Wagen. Wenn es glimpflich ausgeht, gibt’s lediglich Totalschaden.
Durchfahrt erlaubt
In Hermansburg tanke ich noch und besorge mir eine Erlaubnis (Permit) für die Strecke. Das Gebiet ist Aborigine-Land und darf eigentlich nicht betreten werden. Die Aborigine-Verwaltung erlaubt aber den Zutritt für eine begrenzte Zeit. Dieses Entgegenkommen der Ureinwohner bezahlt der Besucher mit noch nicht einmal 2 Euro.
Ohne Rendite
Wesentlich teurer haben die Aborigines auch in Hermannsburg den üblichen Segen der christlichen Missionierung bezahlt. Das gute Werk hatten zunächst die Lutheraner vollbracht. Unweigerlich erinnere ich mich an die drei Gotteskrieger – Mark, Walter und Henry – die mich am Ostersonntag in Nuriootpa zum wahren Glauben führen wollten. Erst 1982 haben die Aborigines hier ihr Land wieder zurückbekommen. Ihre Kultur aber nicht. Glaubenseifer und Alkohol haben ganze Arbeit geleistet. Sich vollkommen selbst überlassen kommen die Aborigines auch in Hermannsburg erwartungsgemäß nicht mit ihrem „neuen Leben“ klar. Trotz Warnung vor dem Teufel am Dach der Tankstelle.
Kings Creek
Dann mal weg hier und Richtung Kings Canyon. Genauer nach Kings Creek, wie Lynn-Ann empfohlen hatte. Irgendwann mündet die Sandpiste wieder eine Asphaltstraße und Kings Creek ist bald erreicht. Meine Nachbarn dort sind Anne und Toni. Wir kommen gleich ins Gespräch, trinken Bier, erzählen ausgiebig, lachen viel und machen reichlich Blödsinn. Gegen Abend hole ich die restlichen zwei Pullen Rotwein vom Kaiser Stuhl (Barossa Valley) und die Lammsteaks, Anne liefert den Salat und Würstchen. Bis weit in die Nacht (was auch auf einem australischen Campingplatz etwa 23 Uhr entspricht) „unterhalten“ wir die restlichen Leute. Ob zu deren Vergnügen, wissen wir nicht. Vielleicht auch besser so.





































