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Die Alternative zum Highway – das Outback.
18. Tag / Donnerstag, 12. April
Es war die lausigste Nacht bisher. Nicht, dass ich gefroren hätte. Aber, es war wirklich kein guter Einfall, sich an der Tanke niederzulassen. Die Aussies sind zwar, was Geschwindigkeit in Ortschaften einhalten geht, ziemlich konsequent. Das liegt wohl an den drastischen Strafen bei Zuwiderhandlung. Aber ich habe nicht bedacht, dass der Platz recht groß ist und somit doch der ein oder andere Trucker hier nichts gegen ein Päuschen hat. Damit der Motor langsam abkühlen kann, lassen die Jungs die Kiste noch fünf Minuten laufen. Manche auch eine halbe Stunde, wie ich in dieser Nacht erfahren darf. Um 7 Uhr habe ich dann genug. Eddy, Julie und ihr Enkelchen sind auch schon wach. Wir haben ein gemeinsames Ziel – die Flinders Ranges. Die drei fahren via Highway und ich den dirty way, durchs Outback.
Willkommen im Nichts
Am Anfang ist mir schon etwas, na ja, nicht gerade mulmig, aber schon komisch zumute. „Du wirst da draußen ziemlich alleine sein“, sagt Julie. Sie soll natürlich recht behalten. In den ersten zwei Stunden kam mir niemand entgegen, im Laufe des Tages vielleicht 10 Fahrzeuge. Es war nach Broken Hill die erste wirkliche Begegnung mit dem Outback. Und die war enorm. Weites Nichts. Nichts als weites Nichts. Und doch so abwechslungsreich. Hinweisschilder beruhigen mich: „Martins Hill 45 km“, Wilpena, mein Etappenziel, 128 km. Das zeigt mir, dass ich doch nicht so weit weg sein kann von der „Zivilisation“. Und „im Falle eines Falles“ doch ziemlich weit weg.
Wilpena
Bereits gegen 14 Uhr komme ich in Wilpena an, so etwas wie der zentrale Ausgangspunkt in den Flinders Ranges. Die Ranges haben sich aber schon vorher mit geballter Schönheit präsentiert. Viel Farbe in diesem unglaublich trockenen Land. Eigentlich müsste alles braun sein. Eigentlich. Ist es aber nicht. Immer wieder grün dazwischen, und natürlich das kräftige Rot der erzhaltigen Erde. Wüste wechselt mit Wäldern. Wasser: Fehlanzeige.
Unter Beobachtung
Wilpena ist der erste Aufenthalt in einem Nationalpark. In der „2, Klasse“ des Campgrounds ist kein Stellplatz markiert. Jeder, der „unpowered“ ist, kann sich sein Plätzchen suchen. Gegen fünf kommt das riesen Rump-Steak aus Broken Hill in die Pfanne, selbstredend mit zwei ordentlichen Zwiebeln. Mir fallen zwei Krähen gegenüber auf dem Ast auf. Die beiden tun zwar uninteressiert, sind aber sicher keine Vegetarier. Sie warten nur auf ihre Gelegenheit, werden aber Pech haben. Die Parkverwaltung hat mich breits dahingehend gebrieft. „Lassen Sie nichts offen herumliegen. Jede Tüte, jede Tasche ist für die Krähen eine Herausforderung“. Als ich zum Zähneputzen gehe, sehen sie ihre Chance zur Inspektion. Pech gehabt, nix zu holen. Ihr lautes Krähen verrät Enttäuschung. Von mir aus kann sich das bei ihresgleichen rumsprechen.
Abendstimmung vs. Nachtruhe
Gegenüber machen ein paar jüngere Paare (sie sind wohl so um die 30-35, aber ich darf wohl „jüngere“ sagen) Mucke, die ganz meinem momentanen Empfinden entspricht: angenehm entspannend, so Richtung Klassikradio zwischen 22 Uhr und Mitternacht. Dazu ein Lagerfeuer, das mir auch aus 20 Metern Entfernung Spaß bereitet. Ich schreibe nicht an dem Abend, ich schaue und höre zu. Nach einer knappen dreiviertel Stunde geht’s dann aufs Dach in die Koje. Ich höre immer noch der Musik zu und dämmere weg. Irgendwann mitten in der Nacht schreit ein schwachsinniger Vater mit seinem ebenfalls schwachsinnigen Sohn nach ihrem offensichtlich (noch schwachsinnigeren) Sohn und Bruder David. David wurde nicht etwa vermisst, wie sich bald lautstark herausstellte. Das verzogene Balg hatte lediglich keine Lust, zu antworten. Ich hätte in dieser Nach einiges gegeben, wenn man die ganze Familie vermisst hätte. Nach langem Anlauf gelingt es mir noch einmal, einzuschlafen.









































