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Von Murray Bridge nach Cape Jervis

Bild oben:
Alte Raddampfer auf dem Murray River

11. Tag / Gründonnerstag, 5. April

Obwohl am Murray River schöne alte Raddampfer liegen, Murray Bridge war jetzt wirklich nicht der Klopper. Jedenfalls nicht campsidetechnish, wie wir Australier sagen. Vielleicht war es bisher ein Fehler, einfach nur zu übernachten, ohne vorher die Town zu checken, wie wir Australier sagen. Aber wo fängt man an und wo hört man auf?

Alles dreht sich um mich

So in etwa sieht es zur Zeit in meinem Kopf aus - wer macht hier eigentlich wann was? Seit zwei Tagen – seit der Kaffeedröhnung in Beachport – habe ich Schwindelgefühle und Gleichgewichtsstörungen. Auch der Tinnitus ist präsent. Gefällt mir überhaupt nicht, Sobald ich mich etwas schneller bewege, fängt der ganze Laden an, sich zu drehen. Erstaunlicherweise geht es beim Autofahren am besten. Fahre ohnehin nur mit 70 durch die Pampas. Aber beim Tanken bin ich wie besoffen. (Hoho, der taugt sogar für einen Joke!) Im Campingladen muss ich wieder raus, weil ich keinen Durchblick mehr habe. Mein lieber Jolly. Ich hoffe nur, dass das vielleicht die Folge von mangelnder Wasseraufnahme sein könnte. Hoffentlich, sonst bekomme ich ein ernsthaftes Problem.

 

Die älteste deutsche Stadt Australiens

Kurz vor Adelaide - ein kleiner Gruß an zu Hause. Ich habe es deshalb etwas ruhiger angehen lassen heute. Gegen 11 Uhr war ich in Hahndorf, der ältesten deutschen Gemeinde in Australien. Ist schon erstaunlich. Es hat wirklich etwas deutsches. Die Häuser aus Stein, eine Allee mit Laubbäumen zieht sich durch das Städtchen. Aber es ist ein ziemliches Touristennest. Nevertheless (wie natürlich wir Australier sagen) hole ich mir beim Metzger 4 Bratwürste und 4 Knacker. Muss sein. Und beim Bäcker (Otto’s) schnappe ich mir ein Schwarzbrot. Yes, deutsches Schwarzbrot! Es stellt sich allerdings heraus, dass das Brot lediglich von der Farbe her als Schwarzbrot durchgeht. Geschmacklich hat es aber wenig damit zu tun. Kein Wunder. Weder in der Metzgerei noch in der Bäckerei wird noch deutsch gesprochen. Fast gar nicht mehr in der ganzen Stadt, sagt die Bäckerin. Ein letzter Versuch noch in einer Kneipe, Interieur in Richtung Hofbräuhaus, B-Version, das Äußere erinnert eher an die Ponderosa (zumal ich gestern Hoss getroffen habe). Fehlanzeige, niemand spricht deutsch. Das war’s mit den O-Tönen für die Reportage über die älteste deutsche Stadt in Australien – Hahndorf, 1839 Einwohner, 330 Meter über dem Meeresspiegel und mit 990 Millimeter Niederschlag im Jahr.

Großes Land – Campingplatz voll

Port Elliot. Schönens Plätzchen aber leider ausgebucht. Nach zwei Stunden ist dann gut mit Hahndorf. Ich fahre Richtung Halbinsel Fleurieu.
In Port Elliot will ich gegen halb vier die Hacke rausmachen. Ein schöner Platz am Meer. Aber denkste. Es ist Gründonnerstag. Alles ausgebucht. Am nächsten Platz genau das gleiche. Es sieht nicht gut aus. Einfach irgendwo hinstellen ist nicht. Zum einen steht man immer irgendwo auf Privatbesitz, da sollte man zumindest vorher fragen. Aber wen und wo? Zum andern ist es nicht ganz ungefährlich. Auch in Australien gibt es Primaten, die Dich im günstigsten Fall nur aufmischen wollen. Ich ziehe also weiter bis Cape Jervis, dort gibt es aber keinen Campingplatz.

Irgendwo hinter einem Zaun

Doch noch ein Plätzchen gefunden. Ich frage bei der Tanke, der Chief ruft zwei mal an, und dann kann ich vis-à-vis aufs Grundstück einer Cabin-Vermieterin. Sie weiß erst nicht, was sie dafür nehmen soll, dass ich nur auf ihrem Grundstück stehe. Dann meint sie aber, ein 10-er täte es. Schluck, 10 Bugs nur dafür, dass ich auf ihr Gelände kann. Keine Dusche, keine Toilette. Bisher habe ich auf den Campsides im Schnitt 15 A$ bezahlt. Naja, das Plätzchen ist trotz alledem ja noch recht lauschig. Aber es weht ein kalter Wind. Schon wieder nix mit draußen sitzen. Also wähle ich den Gang des Gerechten, um sieben liege ich in der (Waa-)Gerechten. Und gegen Mitternacht werde ich zum ersten Mal wach – Moskitoalarm. Bis halb vier habe ich erst 5 dieser Teufel erledigt. Wie kommen die Mozzies (wie wir Australier sagen) eigentlich hier rein? Es gibt es jede Menge Spinnen und auch noch giftige. Was tun die eigentlich den ganzen Tag oder von mir aus auch die ganze Nacht? Und jetzt habe ich auch noch Rücken. Verdammt. Und der Tinnitus. Gefällt mir nicht. Gefällt mit überhaupt nicht.

Bilder vom Tag

Von Murray Bridge nach Cape Jervis.

-Australiens älteste deutsche Stadt-Sicher nicht die Schlossallee.-Vielleicht sogar aus der Pionierzeit.
-Australischer Kolonialstil-Erkennt jemand...-... seine Verwandtschaft?
-Zum Glück nicht von Heckler & Koch.-Es wird Herbst in Australien.-Ponderosahofbräuhaus.
-Das German Beer kommt eher aus Australien.-Vielleicht ehemals deutscher Schäferhund: Mephisto.-Typisch australisch.
-Temporärer Radweg.-Hier gibts Erdbeeren in rauhen Mengen.-Wegesrandgefährte.
-Die letzten Kilometer....-... bis Port Elliot.-Ebenda.
-Wunderschöne Plätzchen, aber keine zum Campen.-Auch nicht auf dem Weg...-... nach Cape Jervis.
-Weites Land ...-... einsame Straßen ...-... weites Land ...
... einsame Straßen.-Kurz vor Cape Jervis.-Doch noch ein Plätzchen gefunden.
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