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Nach der „Trockenübung“ im Culture Center können die Erkenntnisse in den Feuchtgebieten angewandt werden.
42. Tag / Sonntag, 6. Mai
Irgendetwas hat mich in der Nacht ordentlich zugerichtet. Ich gehe von einem Moskito aus. Vielleicht waren es auch ein paar. Obwohl ich vorm Schlafengehen das Zelt noch einmal inspiziert hatte. Kann auch egal sein. Irgendwie haben sie es geschafft, den Mozzi-Fence zu durchdringen. Dann eben noch mal 15 Stiche mehr. Was soll’s. Es ist, einmal mehr, ein strahlend blauer Himmel. Nachher will ich in das Culture Center um die Ecke, mal sehen, was es da gibt. Ansonsten hoffe ich, dass die ein oder andere 4-Wheeldrive-Strecke wieder geöffnet wird. Mit ein Grund für die anhaltende Schließung sind übrigens auch die Salzwasserkrokodile, die mit der Flut weit ins Landesinnere kommen. Letztes Jahr hätten sie hier in dieser Gegend 7 Stück gehabt, hieß es.
Das Culture Center ist etwas für die leisen Töne. Dagegen sind aber offensichtlich immer noch viele Weiße immun. Zu viele interessiert nicht, dass darauf hingewiesen wird, man möge den Wunsch der Aborigines respektieren und im Center nicht fotografieren. Erstaunlich auch, dass es immer die gleichen sind, die die persönliche Geschichte der zwangsmissionierten Ureinwohner nicht zu sehr interessieren – die fettgefressenen Ab-50-Jährigen. Ein Vorurteil, gewiss. Aber es passt. In solchen Kulturzentren (wie etwa auch am Uluru) wird für mich immer wieder klar, was die christliche Missionierung zusammen mit der „Weißen Politik“ in Australien angerichtet hat. Und manche der Verursacher sind auch noch stolz darauf.
Lernpfad
Natürlich habe ich die O’Sullivans auch im Culture Center getroffen. Wir verabschieden uns einmal mehr, darin haben wir ja inzwischen Übung. Bis zum nächsten Mal. Es geht weiter nach Nordwesten Richtung Jabiru. Dazwischen biege ich immer mal wieder ab, meistens vergebens. „Road seasonal closed”. Die Aufräumarbeiten an den Straßen sind noch nicht abgeschlossen, oder es gibt noch unpassierbare Stellen oder aber es herrscht Croc-alert. Der ein oder andere Aussichtspunkt ist aber zugänglich. Nohja, dann mache ich eben das, was möglich ist. Gemütlich tuckere ich auf dem Kakadu Highway entlang. Immerhin, die Zufahrt zum Norlangie Rock ist offen. Die ersten konzentrierten Felsmalereien sind an einem Shelter Rock, einer kleinen Schutzhöhle, zu sehen. Ein Rundgang von knapp einem Kilometer und ein schöner Ausblick vom Felsen. Dieser Ort war den Aborigines Schutz und Heimat. Heute trampeln wir auf ihren Pfaden. Immerhin können wir dabei etwas über die Menschen, die hier früher gelebt haben, lernen.
Vom Uran zum Urahn
Bei der Weiterfahrt lasse ich mir auf der Straße richtig Zeit. Tempo 60. Das hat zur Folge, dass ich zum Sonnenuntergang nicht in Ubirr, einer heiligen Stätte der Ureinwohner, sein werde (Gott sei Dank, wie sich erst am nächsten Tag herausstellen wird). Und in Jabiru wollte ich eigentlich einkaufen. Es ist zwar Sonntag, aber das spielte ja bisher keine Rolle, Einkaufen konnte man an jedem Tag. Aber hier nicht. Jabiru ist eigentlich keine Stadt. Es ist eine Ansammlung von Häusern, möglicherweise von Arbeitern der Uranmine. Uran im Tagebau! Na, wunderbar. So lange will ich mich deshalb auch gar nicht aufhalten. Ich fahre aber noch im Crokodile Holiday Inn vorbei, weil da Stephanie arbeiten soll. Sie hat ein Travel-an-work-Ticket gewonnen, das das Touristboard des Northern Territory ausgeschrieben hatte. Allerdings erfahre ich dort, dass sie erst morgen ihren ersten Arbeitstag hat. Dann will ich es eben morgen noch mal versuchen. Zumal es bis zum Campground nicht mehr weit ist.
Flammendes Intermezzo
Ich fahre ein paar Kilometer weiter zum Campground Merl, einem irgendwie seltsamen Ort. Die camping area ist nicht so offen wie sonst, sondern regelrecht „verbuscht“. Die einzelnen Standplätze kann man von außen kaum einsehen. Eins ist jedenfalls sicher: hier ist „generatorfreien Zone“. Man hat aber den Eindruck, wenn man diesen Weg fährt, findet man nie wieder zurück. Erst nach zwei Runden ums Areal entscheide ich mich für ein Plätzchen. Nebenan haben sich drei Jungs und ein Mädel einquartiert. Die Jungs haben Zinksalbe in der Visage. Ich gehe davon aus, dass sie Städter sind. Bisher habe ich im Busch noch niemanden mit einer solchen Kriegsbemalung getroffen. Wir wechseln ein paar Worte, während die Ranger die Gegend um uns herum abfackeln. Kontrolliert, versteht sich. Ist aber schon ein komisches Gefühl, wenn es 10 Meter neben einem qualmt, brennt und knistert. Die Jungs werden aber hoffentlich wissen, was sie tun.





































