Bild oben:
Herr der Fliegen.
34. Tag / Samstag, 28. April
Es ist gerade mal kurz nach 6 Uhr, als ich den Fotobeweis antrete, dass auch die Fliegen Frühaufsteher sind. Zwei Kaffee später kommt doch tatsächlich ein Auto von weiter oben. Sharon und Daniel. Sie sind gestern noch einen Kilometer weiter flussaufwärts gekommen. Ich hätte gut daran getan, nicht mehr weitergefahren zu sein, sagen sie. Sie haben ihre Kiste auch ordentlich „gebogged“, also festgefahren, und mit einer Art Luftkissen wieder aus dem Schlamassel befreit. „War richtig Arbeit“, meint Daniel. So gesehen war meine Einschätzung vom Vorabend, nicht mehr weiterzufahren, wohl richtig.
Besuch von oben
Die beiden kommen aus einem kleinen Nest mit rund 100 Einwohnern und lieben die Einsamkeit. Das ist ihre Antwort, als ich sie frage, was sie hier so weit draußen machen. Außerdem suchen sie Steine. Opale soll es hier auch geben und anderes Zeugs, meinen sie. Die zwei scheinen richtige Haudegen. Wir unterhalten uns eine Weile und dann ziehen sie weiter. Naja, eine halbe Stunde später mache ich mich auch auf den Rückweg. Die gleiche Spur zurück, dann wird wohl nichts passieren.
Rückweg ins bekannte Unbekannte
Denkste. Ich bleibe im Restwasser vom Fluss stecken. Na bravo! 2. Gang, Low-Range, 4-Rad-Antrieb zuschalten. Nix. Rückwärts kann ich gut 20 Zentimeter machen, es reicht für ein kleines „Gefälle“. Die paar Zentimeter nach vorne baue ich mit Steinen und Geröll eine Minirampe, nach ein paar Versuchen bin ich frei. Und weiter geht’s im Schlingerkurs durch den tiefen Sand in Bachbett. 3. Gang, höhere Touren, jetzt nur nicht mehr anhalten bis zum nächsten festen Untergrund. Es klappt, das rettenden Ufer naht. Aber es liegt fast zwei Meter über dem Niveau des Flussbetts.
Ufer gesichtet
Auf der Hinfahrt hatte ich mir keine Gedanken darüber gemacht, dass ich diesen 2-Meter-Hang auch wieder hoch muss. Und aus der Distanz betrachtet sieht er eher aus wie eine steile Wand. Es braucht einige Überwindung, den Karren mit ordentlich Speed sprichwörtlich an die Wand zu fahren. Aber es ist die einzige (und damit auch richtige) Lösung, aus dem Flussbett rauszukommen. Ich benötige die sprichwörtlichen drei Versuche bis ich oben bin.
Flusspromenade
Trotz dieser kleinen Schwierigkeit kommt mir die Fahrt auf dem Rückweg einfacher vor. Vielleicht auch deswegen, weil ich die Strecke jetzt ein wenig kenne. Die Hinfahrt war doch schon eher ein Trip ins Ungewisse. Für die rund 45 Kilometer zurück nach Arltunga brauche ich fast drei Stunden.
Zurück in Arltunga
Dort, an der alten Polizeistation, treffe ich Sharon und Daniel wieder. Sie geben mir noch den Tipp, im Arltunga Bush-Hotel vorbeizukommen. Das sei ein witziges Plätzchen. Nach meiner Abmeldung bei der Parkbehörde (damit die Kavallarie nicht anrückt) treffen wir uns also bei Guy-Gustav, dem Wirt. Es ist in der Tat ein guter Ort, um Geschichten auszutauschen. Ob sie wahr sind oder nicht.
Mitten durch
Gegen 13 Uhr mache ich mich auf die restlichen 65 Kilometer nach Norden Richtung Plenty Highway. Es soll noch mal über drei Stunden dauern. Der Tag war somit ein Full-Size-4-Wheel-Ritt mit allem Drum und dran. Es macht mir nichts aus, von da die letzten 100 Kilometer bis zum Stuart Highway und nochmal 20 nach Norden mit Asphalt unter den Rädern hinter mich zu bringen. Ziel ist einer der vielen rest areas am Stuart.
Kein Problem
Fast schon ziemlich dunkel. Aber noch hell genug, um das (wirklich restliche) Corned Beef mit Cracker zu zelebrieren. Inzwischen ist ein alter Klepper mit Aboriginies angekommen. Es folgt ein Riesen-Galama. Familienstreit oder normale Unterhaltung, ich kann es nicht ausmachen. Als sie nach 10 Minuten weiterfahren, ruft der Fahrer zu mir herüber und entschuldigt sich. „Hey Touries, sorry for that. We are from here. We want to apologise for the trouble!” “No worries mate!”, gebe ich versucht-routiniert-australisch zur Antwort.
Begegnungen
Das hat Joe von gegenüber zum Anlass genommen, um ans Feuer zu kommen. Er ist in Australien geboren, aber beide Eltern sind Italiener. Er selbst war noch nie außerhalb Australiens. So etwas wie eben habe er auch noch nicht gehört. Dass sich jemand entschuldigt für nichts. Wir kommen natürlich ins Gespräch. Eine Stunde später tuckert ein PKW an. Der Fahrer kommt am Feuer vorbei, sagt aber nicht hallo oder ähnliches. Seltsam. Im zweiten Anlauf schon. Im Feuerschein erkenne ich einen kräftig „bebauchten“ Rockertypen mit Vokuhila-Frisur und einem schwarzen T-Shirt mit entsprechendem Aufdruck: Adler und was man eben so hat. Zudem hat er einen jungen Mastiff-Kampfhund dabei. Na, bravo, das kann was geben. Joe und ich hatten es gerade von dem unmöglichen Verhalten, was manche weiße Australier an den Tag legen. Da sind wir ja bei dem dann wohl genau richtig.
Die Geschichte dahinter
Aber es kommt anders. Das, was ich verstanden habe, war in dieser Hinsicht absolut ok. Auch er ist mit diesem Verhalten der Sorte seiner Landsleute nicht einverstanden. Den Rest habe ich allerdings nicht verstanden. Er hatte so genuschelt und einen dermaßen Aussi-Slang, dass ich noch keine 5 Prozent verstanden habe. Er sagte, er hätte einen Unfall mit einem Kangagroo gehabt. Die Kiste sei ordentlich beschädigt. Unterdessen hat uns der kleine Mastiff, er heißt „Snaps“, ordentlich mit seinen spitzen Zähnchen und vor allen Dingen mit seinen scharfen Krallen zugerichtet. Ich habe ihn deswegen „Scratcher“ getauft. Den Namen hat er weg. Wir trinken ein paar Bier zusammen, Joe holt auch welche und so gehen zwei Stunden rum. Wayne, so hieß der Kollege mit dem künftigen Killerhund, will einen kurzen Power-Nap machen und dann nach Alice Springs zurück, um die Kiste reparieren zu lassen. Ok, das ist eine gute Idee. Wir verabschieden uns und gehen ebenfalls pennen.


































