Reportagen

Veröffentlicht am 13. Dezember 2012 | von Martin Kissel

Ein Herz für Kinder

Wenn Spenden versickern

Vor 6 Jahren hatte ich für den Deutschlandfunk über einen besonders dreisten Fall von Spendenbetrug berichtet.
Am 26. Dezember 2004 richtete ein Tsunami an Asiens Küsten verheerende Zerstörungen an – mehr als 230.000 Menschen wurden in den Tod gerissen.
Der Flutwelle folgte eine Spendenwelle. Am Ende sollen über 680 Millionen Euro gespendet worden sein, genaue Zahlen gibt es nicht.

Die Hamburger Filmemacherin Inge Altemeier hatte mich auf diesen Fall aufmerksam gemacht. In ihrem Film „Ein Jahr nach dem Tsunami“, (SWR – Auslandsreporter), spielte ein gewisser Yves Dantin eine Rolle. Für den Hörfunk hatte ich die Geschichte dann weiterverfolgt.

Im Sommer 2012 trafen drei Ereignisse aufeinander:

Die Bildzeitung wurde 60. Jahre alt.
Die Deutsche Telekom hat für jedes Tor der deutschen Nationalmannschaft bei der EM 10.000 Euro (100.000 Euro garantiert) – an „Ein Herz für Kinder“ gespendet.
Yves Dantin will „sein“ Hotel auf der indonesischen Insel Pulau Weh verkaufen.

Drei Gründe, um diesen Fall noch einmal aufzuzeigen.

Weggespült und versickert

Im Sommer 2006 hatte ich für etliche ARD-Hörfunksender und auf tagesschau.de berichtet.
Der Deutschlandfunk sendete diesen 20-minütigen „Hintergrund-Politik“.

Weggespült und versickert - Deutschlandradio

 

Hier das Manuskript der Sendung vom 22. Juli 2006 beim Deutschlandfunk.

 

Von Spenden, Aktien und Verantwortung

Zum 5. Jahrestag der Tsunamikatastrophe 2009 wollte ich wissen, was aus dieser Geschichte geworden ist, ob die Verantwortlichen bei der Bildzeitung, sprich: „Ein Herz für Kinder“ reagiert haben.

Was ist aus den Spenden geworden? Hat man den mutmaßlichen Betrüger zur Rechenschaft gezogen? Ich fand, die Spender hätten ein Recht darauf, das zu erfahren.

Die Recherchen gestalteten sich erwartungsgemäß mühsam. Den Betroffenen lag eher an Zurückhaltung als an Aufklärung.
So galt im Auswärtigen Amt in Berlin etwa die Aufmerksamkeit nicht den verschwundenen Spenden-Millionen und der dilettantischen Organisation im eigenen Haus, sondern den Nachforschungen, wie dieser Freiburger SWR-Journalist an die Informationen über die Missstände gekommen ist.

Das Ergebnis der Recherche war ernüchternd.

5 Jahre nach dem Tsunami - Deutschlandradio

 

Hier das Manuskript der Sendung vom 29.12.2009 beim Deutschlandfunk.

Bild hilft – Ein Herz für Spendenbetrüger

Ein großer Teil der Spendenmillionen die „Bild hilft – Ein Herz für Kinder“ Yes Dantin alias Jürgen Klaus Biesenbach überlassen hat, ist hiergelandet, im Kur & Freizeit Hotel Resort “Rasa Seni”.

Zur Erinnerung. Auf der Homepage von „Ein Herz für Kinder“ lässt die Geschäftsführerin Martina Krüger wissen“: „Wir garantieren: Jeder Cent Ihrer Spende kommt direkt und ohne Abzüge Kindern zugute. Es werden davon weder Verwaltungs- noch Werbekosten bezahlt.“

Von einem Hotel in Indonesien spricht sie nicht.

Hotel zu verkaufen

Vielleicht besteht bei dem ein oder anderen Großspender Interesse, sich sein Geld zurückzuholen. Mangels Masse sollte das nicht scheitern.

Denn Yves Dantin alias Jürgen Klaus Biesenbach will „sein“ Hotel verkaufen – allerdings nur an seriöse potentielle Käufer, wie er auf Facebook schreibt.

Vielleicht hilft ja Bild. Die nächste ZDF-Spendengala zugunsten von „Ein Herz für Kinder“ ist aber erst im Dezember.
Dort kommt aber ohnehin jeder Cent ohne Umwege den Kindern zugute.

Bilder: Deutschlandradio

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