Australien

Veröffentlicht am 19. April 2012 | von Martin Kissel

Alice Springs

Bild oben:
Die erste Telegrafenstation in Zentralaustralien.

25. Tag / Donnerstag, 19. April

Was für eine laue, ja, warme Nacht! Jetzt wird sogar die Bettdecke zu viel. Selbst am Morgen ist es mir fast schon zu warm, in die Thongs, die typischen australischen Plastik-Badelatschen, zu steigen. Es ist noch nicht sieben und die Welt ist schon in Ordnung. Heute Morgen nur Kaffee. Mir ist nicht nach Essen. So soll es auch den ganzen Tag bleiben. Gegen 10 fahre ich zur alten Telegrafenstation. Wegen ihr gibt es Alice Springs überhaupt. Mit der „Australian Overland Telegraph Line“ kamen die ersten weißen Siedler hierher ins „Red Centre“. Ab 1872 verband „der sprechende Draht“ über 3.200 Kilometer Südaustralien via Port Augusta mit Darwin an der australischen Nordküste. Und von da ging es mit Unterseekabeln erstmals unter anderem nach Europa.
Alice Springs hat sich natürlich verändert. Aber die alte Telegrafenstation nicht. Vor 130 Jahren sah es hier genauso aus. Jedenfalls scheint es so.

Falsche Richtung

Richtung West MacDonnell Ranges, aber gleich wieder zurück. Anschließend fahre ich Richtung East MacDonnell Ranges weiter, merke aber ziemlich bald, dass das Mumpitz ist. Was ich hier zu sehen bekomme – vermute ich – gibt es noch einmal in den West MacDonnells. Da will ich ja die Tage hin. So what? Ich drehe nach 30 Kilometern um und mache das einzig richtige für den vergurkten Tag – Einkaufen.

Und somit werde ich wohl nie erfahren, wie es in den East MacDonnells wirklich aussieht.

 

Das einzige Foto aus der City

Alle Richtungen. Die der Aborigines ist aber eine Sackgasse. Ich bin nicht nur inmitten des australischen Kontinents, sondern auch noch ganz schön weit weg vom Rest der Welt. Alice Springs ist zwar beschaulich, wirkt auf mich aber eher langweilig. In der Stadt fällt mir auf, dass auch hier sehr viele Aborigines einfach nur rumsitzen (Fotos mache ich keine. Aus Respekt vor den „Motiven“ und weil es mir peinlich ist). Die Aborigines tun nichts (was sollten sie auch tun?) und sie tun auch nichts gegen ihre Situation: Alkohol, Arbeitslosigkeit. Letzteres Wort wird es in der Sprache der Aborigines wohl kaum geben. Es ist eine Erfindung der „Zivilisation“. Und doch erinnere ich mich in diesem Moment die Worte von Craig. „Wir sollten arbeiten für das, was wir zum Leben brauchen.“

Es ist kein Mitleid, was ich für die Aborigines in Alice Springs empfinde. Es ist eher Zorn. Unter anderem auf die allerchristlichste Missionierung, die ich der Mittäterschaft an einem Verbrechen zeihe – der Entwurzelung der Ureinwohner Australiens.

Chilling con carne

Good evening! Zurück zum Campingplatz und zum Kochen. Die Kreation (minced beef) darf bei mir durchaus als experimentell gewertet werden. Alle Kombinationen der vorhandenen Zutaten (und die es für dieses Gericht besser nicht sein sollten) sind möglich. Das Essen habe ich immerhin überlebt. Anschließend will ich aber nur noch im Campingstuhl sitzen. Ich zähle die Moskitostiche (rund 100) und schreibe noch ein paar Zeilen ins Notebook. Der Abend ist wunderbar und fast friert mich vor Behaglichkeit. Es wird eine so schöne warme Nacht, dass ich gar nicht recht ins Bett will. Also wird es heute ein Bierchen mehr. Und dann fällt mir noch etwas auf. Ich habe in der Stadt so gut wie gar nicht forografiert. Genau 2 Mal habe ich auf den Auslöser gedrückt. Warum? Keine Ahnung! Vermutlich, weil ich das bekannte Alte einer Stadt gegenüber dem interessanten Neuen im Outback für nicht mehr erwähnenswert halte. Dabei hätte ich auch sicherlich Neues entdecken können. Aber wie es halt so kommt.

Bilder vom Tag

Den interessanteren Teil des Tages ...... hat die alte Telegrafenstation auf dem Berg in der Nähe von Alice Springs hergegeben.130 Jahre alt ...
... und sogar noch funktionsfähig. Aber wer will das schon.Wer hier her kam, war Selbstversorger.Nix mit 5 Uhr Feierabend.
Und "Nebenerwerbslandwirt" trifft sicherlich nicht exakt zu.Die Tour in die East MacDonnell Ranges ...... beginnt zwar schön, aber ich breche sie trotzdem ab.
Zurück zum Campground. Ob die Entscheidung richtig war, werde ich nie erfahren.

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