Australien

Veröffentlicht am 10. Mai 2012 | von Martin Kissel

Von Wangi Falls nach (fast) Darwin

Bild oben:
Wangi Falls am Morgen.

46. Tag / Donnerstag, 10. Mai

War mal wieder vor der Sonne wach. Im Zelt werde ich vierer vollgesogenen Mozzies habhaft. Keine Ahnung, wie die hier reingekommen sind. Aber Kost und Logis hatten sie wohl leidlich ausgenutzt. Sie waren alle vier prall gefüllt. Möglicherweise mit meinem Blut. Ich werde es wohl im Laufe des Tages erfahren, wenn ich merke, wo es anfängt zu jucken. Dafür entdecke ich, dass mir eine frühere Brut das Kreuz des Südens auf die linke Wade gestochen hat. Ein Kunstwerk. Anders kann ich es nicht sagen.

Moskito-Kunst

Das Bild ist (natürlich!) nicht ganz scharf. Aber das geübte Auge erkennt das Mozzie-Tatoo sofort: das Kreuz des Südens. Tja, gleich packe ich zusammen und dann geht es auf der letzten Etappe nach Darwin. Ist schon ein komisches Gefühl. Fast 50 Tage war ich jetzt unterwegs, habe auf dem Autodach geschlafen und reichlich Moskitostiche eingefahren. Soviel erlebt unterwegs, dass ich wohl alles noch mal durchlesen und vielleicht auch aus der Erinnerung ergänzen muss. Und wenn ich die Bilder betrachte, dann werde ich sicherlich merken, dass ich da die ein oder andere Geschichte noch gar nicht aufgeschrieben habe. Dann will ich doch gleich nochmal bei besserem Lichte als gestern Abend zu den Wangi Falls. Das Plätschern hört man bis zum Campground. Freien Beines trabe ich los. Meine Moskito-Kunst auf der linken Wade nimmt indes niemand zur Kenntnis.

Letzte Idylle vor Darwin

Der Traumstrand kann ganz schnell zum Traumastrand werden. Die Gefahr lauert im Wasser. Die Wangi Falls um die Ecke sind fürs Baden leider gesperrt. „Crocodile warning“, hat mir Anton gestern gesagt. Der Rundweg ist ebenfalls gesperrt. Wohl aus beiderlei Gründen: Krokodile und Flutschäden. Auf dem Rückweg drücke ich noch die 6,60 A$ fürs Campen mit Self-Registration ab und dann geht es auf die Zielgerade, der Litchfield Park Road, nach Darwin. Rund 60 Kilometer vorher biege ich noch mal nach Nordwesten ab. Ich möchte an die Darwin gegenüber liegende Bucht, auf die Cox Peninsula. Und auf einmal taucht es auf – das Meer. Der Indische Ozean. Ein Bilderbuchstrand. Aber im Wasser ist zu Recht niemand. Aus ebenso einleuchtenden wie (hoffentlich!) bekannten Gründen: Box Jellyfishes und sea-wasps, zwei tödliche Quallenarten und natürlich die Salzwasserkrokodile. Und dann dieser wunderschöne Strand. Welch‘ eine Verschwendung!

Australian way of live

Langeweile sieht anders aus. Ich mache vom Ufer ein paar Fotos, laufe auf den Fährenanlegersteg und grüße einen Angler. Kurzes Geplauder. Ich gehe weiter und dann spricht mich eine Frau an. Welchen Akzent sie denn eben hörte? German. Ach so, sie sei ja ansonsten ein wenig im Erkennen des Herkunftslandes geübt. Aber ich würde ja auch gut englisch sprechen. Aha. Na ja, die Australier sind nun mal höflich. Sie hieße Jackie und das neben ihr sei John, ihr Mann. G’day mate. Wir kommen – natürlich – ins Gespräch und sie reden – ausgerechnet mit mir – über den australischen Lifestyle. Aber wenn wir schon mal beim Style seien, wie es denn mit einer Style-Vorlage für eine Campingplatz-Empfehlung in Darwin aussehe? „Go to ‘Shady Glen’” empfehlen sie, nicht ohne anzumerken, dass auch ein „Wooli“ (Woolworths) auf der Strecke liegt. Yepp, ist sounds pretty good. Dass dieses Treffen noch eine kleine Überraschung zur Folge haben wird, kann ich natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen.

Behind the gardens – behind the wall – under the tree

Ein würdiges Plätzchen für die letzten Tage in Australien. Nach eineinhalb Stunden ist dann auch Woolitime. Meine Güte, ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal so freuen würde, einen Woolworths zu sehen. Aber die Annehmlichkeiten sind wohl zu sehr in mir verwachsen. Milch, Brot, Marmelade und VB, Victoria Bitter, das den Geschmack des deutschen Pilstrinkers durchaus treffen kann. Die Welt ist wieder in Ordnung. Jetzt nur noch Augen auf und, zack, links abgebogen zum „Shady Glen“. Es sind nur noch 10 Kilometer bis nach Darwin, ich bin fast am Ziel meiner Tour angekommen. Ich halte an der Rezeption, steige aus und von der gegenüberliegenden Seite tönt es: „The German with the ants! – Der Deutsche mit den Ameisen! Erst habe ich sie gar nicht bemerkt. Dann aber, beim zweiten Hinhören und Hinschauen erkenne ich sie: im Pool „plungen“ Hellen und Marc O’Sullivan. Die habe ich jetzt vielleicht schon zum 5. Mal getroffen. Als würden wir aufeinander warten. Wir scherzen einige Zeit über den Zaun hinweg, bis mich Marc darauf hinweist, mich vielleicht besser anzumelden, bevor die Plätze weg sind. Gesagt getan. Der erste zugewiesene Platz ist aber besetzt. Zurück zur Rezeption. Dann eben den hier, heißt es. Dieser liegt aber direkt am Stuart Highway.

Tja!

Noch Fragen? Ich laufe noch mal zur Rezeption und frage, ob es noch was ruhigeres gibt. Leider nicht. Man werde mich wieder ausbezahlen. Ich mache aber den beiden Frauen bei der Anmeldung deutlich, dass ich mich nach rund 11.000 Kilometern angekommen fühle und nicht mehr von der Stelle bewegen werde. Dann lieber wieder an den Highway. Die beiden Lieben verpflanzen mich nach diesem rührige Vortrag doch noch ein drittes Mal, jetzt weiter nach hinten. Und wer sind meine Nachbarn? Richtig, die O’Sullivans. Welch’ Zufall oder auch nicht. Wir werden noch ein wenig Spaß haben. Dann werde ich definitiv einen Tag vor ihnen den Platz verlassen. Die beiden werde ich wohl in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen. Dass ich sie aber nicht wiedersehen werde, darauf wette ich keinen Cent.

 

 

Bilder vom Tag

Das sehe ich in Wangi Falls ...... wenn ich am Morgen aus dem Dachzelt schaue.Auf dem Weg zum morgendlichen Bade ...
... vorbei am Dickicht ...... dann die EnttäuschungFür alle, die es nicht glauben wollen.
Auch in deutscher Sprache.Das Ziel rückt näher ...... und das Northern Territory zeigt sich noch einmal in allen Facetten. Trocken ...
... feucht ...... staubig ...... asphaltiert.
Und dann am Horizont das Blau des Meeres.Hier das viele Wasser und dort wohl verdammt viel Feuer.Baden strengsten verboten ...
... Angeln ist aber möglich.Ganz unauffällig mittendrin: mein treuer Zossen.Standplatz herrlich.
Abendessen unvollständig.Abendessen vollständig.Kissel zufrieden.

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