Australien

Veröffentlicht am 8. April 2012 | von Martin Kissel

Von Adelaide nach Nuriootpa (Barossa Valley)

Bild oben:
Campingplatz Adelaide

14. Tag / Ostersonntag, 8. April

Erneut hervorragend geschlafen. Warum ich das schon wieder erwähne? Nun, weil es heute weitergeht, um es genauer zu sagen, es geht für mich erst richtig los. Von Adelaide quer durch den Kontinent nach Darwin. Und das sicherlich nicht auf direktem Wege. Da ist nachts schlecht schlafen und tagsüber müde sein keine gute Voraussetzung für einen guten Trip. Aber heute mache ich das Zelt auf dem Dach des Landcruisers auf und sehe einen, wenn auch nicht ganz blauen Himmel. Trotz dass ich innerlich schon mit den Hufen scharre, nehme ich mir genügend Zeit für das Frühstück, zum Trödeln und die Mails abfragen. Und natürlich auch einige zu schreiben. Die Freunde zuhause in Freiburg neidisch machen. „Tach, Ihr Zurückgelassenen, hier sind es 30 Grad!“. (Bei meinem nächsten Zugang zum Internet sollte ich die ebenso kurze Antwort lesen: „Hier auch!“ Freiburg hatte den ganzen April 2007 hochsommerliche Temperaturen).

See ya Adelaide

Die beiden Outdoor-Profis Jeanny und Lindsey geben noch äußerst wichtige Tips fürs Outback Nach dem Zusammenpacken laufe ich noch bei Jeanny und Lindsey vorbei -meinen Nachbarn. Die beiden sind erfahrene Outback-Tourer und geben mir Tipps für Unterwegs. Gegen 10 Uhr tuckert ein Mitarbeiter der Anlage auf seinem Golfmobil vorbei. „Are you on the place number 50?” “Yes.“ Es ist neue Kundschaft da, die wollten auf den Platz. „I move immediately“, verspreche ich. „No worries“, nur langsam. Völlig unaufgeregt, das Ganze. Gegen 11 geht’s dann los. Und in mir wohnt immer noch das Gefühl: erst jetzt geht es los. Aufbruchstimmung.

Let’s roll

Nach Norden Richtung Richtung Gawler und dann östlich ab ins Barossa Valley. Es wird deutlich wärmer. Mein Ding. Sonne, Wärme, Beifahrerfenster auf. Heute werden es nicht so viele Kilometer. Ich halte öfter an, fotografiere mehr. Im Reservat Kaiser Stuhl sieht es zum Teil wirklich aus wie bei uns am Kaiserstuhl in Südbaden. Die Gegend hat den Namen sicher nicht von ungefähr. Wenn es nicht so warm wäre und die Sonne so sommerlich stechen würde, man könnte meinen, es ist Herbst in Deutschland.

Barossa Valley

So etwas kann Reflexe auslösen. Ja, es gibt einige Hinweise auf deutsche Wurzeln hier. Zuweilen sogar sarkastische. Ich bin Richtung Seppeltsfield unterwegs, da steht sie, rechts am Wegesrand, die Kirche der Lutheraner. Der eiserne Torbogen erinnert mich spontan und unweigerlich an das dunkelste deutsche Kapitel. „Arbeit macht frei“, so steht in ähnlicher Weise über dem Toreingang im KZ Auschwitz. Und jetzt „Gnadenfrei“. Ich verweigere meinem Verstand jeglichen inhaltlichen Vergleich. Wir sind hier in Australien – trete ich zu mir selbst in Gegenrede – und nicht in einem Nazi-Nest irgendwo in Deutschland. Es sollte aber anders kommen.

Nuriootpa

Blick zum Nachbarn auf dem Campingplatz in Nuriootpa. Von dem steht aber im Moment nur Tisch und Stuhl. Der Campground von Nuriootpa. Schon wieder liegt so eine komische Atmosphäre „über alles“, um im Jargon zu bleiben. Die Menschen auf dem Platz wirken auf mich eher zurückhaltend, fast verstockt, auch, wenn das bei uns in Deutschland sogar noch als freundlich durchginge. Ich fühle mich regelrecht beobachtet. Na, dann also mal nach allen Seiten gegrüßt, die Bratpfanne angeworfen und die Känguru-Steaks reingetan. So isser, der weiße Mann. Tagsüber die putzigen Kerle fotografieren und abends verputzen. Wenn das Heinz Sielmann selig wüsste.

Glaubenssache

So stehts geschrieben. Aber nur hier. Nach dem Essen gehe ich noch ein bisschen auf Tour durchs Dörfchen. In der Gemeindehalle ist was los. Sitzen ein Haufen Leute drin, hat aber was von Vortrag. Sieht religiös aus. Ich gehe einmal ums Gebäude und bleibe am Haupteingang stehen. In der Tat, die Lutheraner verkünden ihr Heil. Keine zwei Minuten später werde ich angequatscht. Als ich sage, ich sei ein german tourist on the way, kommt’s leicht hesselnd zurück, „ja isch bin also (engl. für „auch“) aus Germany, Frankfurt am Main“.

Henry kam an Anfang der 80-er nach Australien. Verheiratet, geschieden, Jesus gefunden. Muss aber ein anderer sein. Jedenfalls kann man nach seiner Sichtweise der Dinge Jesus Christ nur erfahren, wenn man den Lutheranern beitritt, sich taufen lässt – wobei der ganze Körper unter Wasser muss, sonst gilt es nicht – und erkennt, dass der Islam, das Judentum und der Katholizismus Irrlehren sind. Henry quatscht ununterbrochen und nur wenig zusammenhängend. Ein Missionar at his best. Jetzt verstehe ich auch, warum der ein oder andere im Kochtopf gelandet ist. Wenn auch nicht hier.

Dann gesellt sich Mark dazu und noch ein „Wurzeldeutscher“, Walter, 71, auch baptised und jetzt auf dem Glaubenstrip, dass der dritte Weltkrieg nahe. Wann, will mir niemand von den dreien sagen, aber dass er kommt, sei sicher. Schon Gott habe gesagt…….. Ich versuche, das Gespräch in eine andere Richtung zu schieben. Vergeblich. Ob ich unser Gespräch aufnehmen und die drei fotografieren könnte . Nein, das wollte die Heilsverkünder dann doch nicht.

Zu viel ist zu viel

Irgendwann versuche ich mich dann mit den Worten zu verabschieden, dass der Uluru auf mich warte. (Ich benutze in diesem Moment die Bezeichnung der Aborigines für den Ayers Rock bewusst). Nach der kleinen Belehrung, dass ich wohl „The Rock“ meine, kommt auch prompt die Empfehlung, hinaufzusteigen. Ich verneine, da ich das Ansinnen der Ureinwohner respektiere. Sie betrachten den Berg als heilig. Mark schaut mich mit großen Augen an. „Natürlich kannst Du da hoch.“ Die Aborigines hätten nichts zu sagen, der Berg sei Gottes Werk. Jetzt bin ich ganz kurz angebunden und verabschiede mich.
Was für ein gottserbärmliches Rassistengequatsche! „Vergiss nicht unsere Worte“, salbadern die drei mir noch hinterher. Wie könnte ich.

Bilder vom Tag

Campingplatz in Adelaide. Wer nicht Zelten will, mietet eben eine cabinEr ist ab sofort mein steter Begleiter: der Akubra.On the road again. Northbound.
-Richtung BarossaValley. Es wird hügeliger ...... und noch nicht wirklich grüner ...... aber immer schön weitläufig.
Das sieht schon etwas üppiger aus.Barrossa Valley, die Weingegend Australiens.Und es ist mit Sicherheit nicht der schlechteste Standort für den Tropfen.
Kaum denkbar bei uns: neben dem Wein wachsen die Palmen.Und nicht mal schlecht.Das Grabmal einer reich gewordenen Winzerfamilie.
Es hat, wie so Vieles, auch seine zwei Seiten.Ein fruchtbarer Boden, auch für den Glauben. Für die ansässigen Lutheraner ein wahrhafter Gottesacker.Zwar auch eine Weingegend, aber etwas anders als der Kaiserstuhl bei Freiburg.
Auch die Winzerhäuser sind nicht gerade deutsch geraten.Der Wingert schon.Diese Perspektive hat jedoch durchaus Ähnlichkeit mit unserm Kaiserstuhl.
Barrossa ValleyBarrossa ValleyBarrossa Valley
Barrossa ValleyDie Tierwelt im australischen Kaiser Stuhl ...... ist eine andere als in Südbaden. Logisch.
Davon gibt es übrigens mehr.

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