Sachen gibts

Veröffentlicht am 18. Oktober 2012 | von Martin Kissel

Humanitäter

Humanitäre Katastrophen

Rudolf Scharping soll den sprachlich verunglückten Begriff 1999 zur Rechtfertigung der deutschen Beteiligung am Kosovokrieg erstmals verwendet haben. Andere Sprachkünstler wie Altkanzler Gerhard Schröder zogen nach. Was aber an einer Katastrophe wohltätig sein soll – dies bedeutet unter anderem „humanitär“ – erklärten sie nicht.

Und weil sie es nicht erklärt haben, gibt es bis heute zahlreiche „Neuerscheinungen“, die von besagter humanitärer Katastrophe sprechen. So eine Katastrophe ist doch auch nur ein Mensch

Vielleicht hält sich die wohltätige Katastrophe auch deshalb so hartnäckig, weil irgendwann einmal ein/e Journalist/in im Duden nachgeschlagen hat, was dieses ominöse Wort „humanitär“ bedeuten könnte, und neben den Begriffen „gütig“, „hilfsbereit“, „karitativ“ oder „milde“, das Wort „menschlich“ entdeckt hat.

Und da es durchaus auf Menschen bezogene – also menschliche – Katastrophen geben kann, müssten sie folgerichtig auch humanitär sein.

Auch dem von mir so geschätzten Deutschlandfunk – einschließlich seiner Gesprächspartner – können Katastrophen gar nicht wohltätig genug sein.



Gehört im Deutschlandfunk am 18. Oktober 2012 gegen 8 Uhr 50.

(Foto: Pixabay)

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