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Veröffentlicht am 22. Mai 2013 | von Martin Kissel

Jürgen Grässlin

Jürgen Grässlin / „Schwarzbuch Waffenhandel. Wie Deutschland am Krieg verdient“

Die Deutsche Bank stolpert von einem Skandal in den nächsten, hält aber nicht inne, sich ausdauernd als seriöses Geldinstitut zu präsentieren. Das dürfte ihr nach der ZDF-Dokumentation von Ulrich Stein „Unheimliche Geschäfte – Die Skandale der Deutschen Bank“, die der Sender am Dienstagabend um 20.25 Uhr ausstrahlte, noch weniger gelingen.

Und jetzt entlarvt auch noch Deutschlands wohl profiliertester Rüstungsgegner die Deutsche Bank als big player im Milliardengeschäft „Waffenhandel“. Aber nicht nur sie.

Auf rund 600 Seiten beschreibt der Freiburger Jürgen Grässlin in akribisch zusammengetragenen Details, wie der staatlich sanktionierte Waffenhandel blüht. Besser als je zuvor.

Reichlich Käufer finden sich in autoritären Staaten oder in Diktaturen. Gerne beliefert die Waffenindustrie verfeindete Staaten gleichzeitig. Mit Waffensystemen und solchen, die diese wiederum zerstören. Für die Profiteure ein perfektes Geschäftsumfeld, über das die Politik die schützende Hand hält.

Aber auch Europa bietet reichlich Absatzmöglichkeiten. Während Massenarbeitslosigkeit die wirtschaftliche Situation etwa der „Euro-Südländer“ prägt, und diese Staaten völlig überschuldet sind, profitiert Deutschland als drittgrößte Waffenexportnation der Welt vom Ausverkauf. So bewilligte die Bundesregierung im Jahre 2010 etwa für Portugal die Lieferung von Rüstungsgütern in Höhe von rund 812 Millionen Euro. Das Land ist nahezu pleite.

Im Mai 2011 schnürte EU, EZB und IWF für Portugal ein Rettungspaket mit insgesamt 78 Milliarden Euro. Die deutsche Rüstungsindustrie ist aus dem Schneider. Ihre Rechnungen können also bezahlt werden.

Menschen spielen in diesem „Geschäft mit dem Tod“ eine untergeordnete bis gar keine Rolle. In der Sprache der Rüstungsindustrie werden sie lediglich als „Weichziele“ geführt. Zu autoritären Regimes oder Diktaturen pflegt man – wie auch Außenminister Westerwelle am Sonntag in Algerien wissen ließ -, „gute Beziehungen“.

Grässlin nennt die Verantwortlichen in der Politik und der Rüstungsindustrie nicht nur beim Namen, er hat für Sie demonstrativ steckbriefgleiche „Täterprofile“ angelegt.

Damit hält er den handelnden Personen keinen Spiegel vor, sondern etwas wesentlich Schärferes – eine fundierte Anklageschrift.

Dagegen müssten sich die Betroffenen eigentlich vehement zur Wehr setzen – sofern sie es überhaupt wollen oder können. Die Veröffentlichungen Grässlins – eine fast erdrückende Flut von Zahlen und Fakten – sind für die Benannten in jedem Falle eines – äußerst schmerzhaft.

„Schwarzbuch Waffenhandel. Wie Deutschland am Krieg verdient“ ist nicht nur eine exzellent recherchierte Dokumentation, es ist aufgrund seiner Gestaltung auch ein fundiertes Nachschlagewerk. Eine Pflichtlektüre für die entsprechenden Redaktionen. Es ist ein Standardwerk. Absolut empfehlenswert.

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