Erinnerung an ...

Veröffentlicht am 7. Juni 2013 | von Martin Kissel

Zum Tod von Eddi Arent

Mit einem Bleirohr, wie ordinär!

Schon als Kind hatte ich seine Auftritte im Kino und Fernsehen geliebt. Er fing nicht nur als Lord Castlepool in „Der Schatz im Silbersee“ den extrem seltenen Schmetterling Papilio polymnestor (auf der Schulter eines verdutzten Schurken!), er war auch oft genug bei den Edgar-Wallace-Verfilmungen in den Sechzigern mit von der Partie.

Für eine Reportage zu Edgar Wallace’s 65. Todestag, am 10. Februar 1997, hatte ich Eddi Arent, der damals in Titisee-Neustadt das altehrwürdige Hotel „Neustädter Hof“ betrieb, um ein Gespräch gebeten. Arent hatte gleich zugesagt. Eine Kollegin hatte mich im Vorfeld gewarnt, wie kratzbürstig er sei. Es kam ganz anders.

Ich rechnete mit einem – maximal – 15-minütigen Gespräch. Aber nach dem freundlichen Empfang gab es erst Mal Kaffee und Kuchen. Ich wollte dabei nicht gleich das Mikrofon zücken (was wirklich ein unverzeihlicher Fehler war), deshalb ließ ich Eddi erst einmal reden. Es wurden zwei Stunden. Natürlich kannte ich alle Edgar-Wallace-Filme, ich war Fan, und löcherte Eddi Arent mit reichlich Fragen. Arent schien mein Interesse zu gefallen, er antwortete geduldig und ausdauernd, aber nicht, ohne die Antworten mit etlichen Anekdoten anzureichern. Ich war begeistert. Und zwar so, dass ich nach zwei(!) Stunden schmerzhaft feststellte, dass das Band immer noch nicht lief.

„Herr Arent“, sagte ich schließlich kleinlaut, „Radio ohne Töne funktioniert nicht wirklich. Ich glaube, ich muss ihnen einige Fragen noch einmal stellen.“ Eddi Arent grinste verschmitzt und meinte trocken: „Das ist doch nicht nötig, ich habe ja schon alles gesagt.“ Das anschließende Interview war kurz aber es war alles drin, was man für einen akzeptablen Hörfunkbeitrag braucht – glaube ich.

Die Geschichte, die Eddi Arnet auch im Beitrag erwähnt, habe ich im Freundeskreis – sehr zur Belustigung des selben – schon oft erzählt:
Eddi und Blacky Fuchsberger werden in einem Hinterhof von Banditen angegriffen. Das Drehbuch sah für Eddi vor, dass er vor feststehender Kamera eins mit dem Bleirohr auf den Kopf bekommt und dann direkt in die Knie zu gehen hatte. Das Ganze lief auch so ab. Aber Eddi kam noch einmal hoch und empörte sich in eben diese Kamera: „Mit einem Bleirohr, wie ordinär!“
Ich habe Tränen gelacht, als er mir die Story erzählte, zumal sie mir natürlich sofort gegenwärtig war.

Nur einmal hatte er sich in unserem Gespräch über die Bildungsferne von Journalisten erregt. Diese Menschen seien offensichtlich nicht in der Lage, seinen Namen richtig zu schreiben, wollten dann aber ein Interview mit ihm.
Und weil er sich dafür interessierte, wie ich unser Gespräch im Beitrag umzusetzen gedachte, hatte ich versprochen, ihm den Beitrag auf einer Cassette (so war das damals) zu schicken. Ich adressierte an „Eddy Arendt“. Ich kann nur hoffen, dass er mir den Schabernack verziehen hatte.

SWR-Hörfunkbeitrag: Eddi Arent zu Edgar-Wallace-Filmen


Tja, das war vor über 15 Jahren. Bei Eddi Arent zu Besuch in Titisee-Neustadt.

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