Arbeitskampf im SWR

Veröffentlicht am 7. April 2014 | von Martin Kissel

++++ Teil 8 – SWR-Teamgeist ++++

Die faktische Kündung, die mir der SWR in Form einer Mitteilung über die Nichweiterbeschäftigung hat zukommen lassen, wurde, wie es wörtlich heißt, „aus programmlichen Gründen“ ausgesprochen. Mehr bleibt dem SWR auch nicht, weil dies – bei nichtarbeitnehmerähnlichen Mitarbeitern, wohlgemerkt – einer der wenigen Gründe für eine Nichtweiterbeschäftigung sein kann. Bei 12a-Freien wie mir ist dies keineswegs so einfach.
In den letzten 20 Jahren hat mich der SWR beschäftigt, ohne irgendeine Beanstandung meiner Qualifikation auch nur anzudeuten. Jetzt kommt der Sender, der nach eigener Beurteilung für „Das Beste im Südwesten“ steht, in Erklärungsnotstand und muss versuchen, nach Außen darzustellen, wie er zur Neueinschätzung meiner Arbeitsqualität gekommen ist. Das geht möglicherweise nur durch eine Art „Teamarbeit“. Das Justitiariat macht die Vorgaben und die jeweiligen Abteilungen haben Schützenhilfe zu leisten. Einige tun das aber auch ganz bereitwillig.

Die Federführung der „Teamarbeit“ hat zunächst der Vertreter des Justitiariats, Peter Wiechmann, übernommen. Der SWR verweigert alle Informationen darüber, in welchem Arbeitsverhältnis der Mann aus Saulheim zum SWR steht. Das ist nicht ganz unwichtig. Denn ich habe Peter Wiechmann der Rechtsanwaltskammer Koblenz gemeldet, bei der er (nach dortiger Auskunft) als Rechtsanwalt mit Kanzlei unter seiner Privatadresse eingetragen ist. Mein Vorwurf: der SWR-Jurist hat vor Gericht mutmaßlich mehrfach gelogen.

Der Südwestrundfunk lässt zudem seinen besagten Vertreter zunächst vor Gericht behaupten, ich sei an meiner Lage ausschließlich selbst schuld. Ich wolle Tätigkeiten übernehmen, für die ich nicht qualifiziert sei. Wiechmann lässt allerdings im Dunkeln, welche Tätigkeiten er da angeführt sehen will. Aber er benennt Verantwortliche von SWR3 als Zeugen dafür, dass ich als Redakteur so große Defizite zeigte, dass ich nicht mehr eingesetzt werden konnte. Auch hier lässt Wiechmann das Gericht Konkretes nicht wissen.

Und schon gar nicht, dass nach seiner Darstellung SWR3 erst nach 4 Jahren meiner Diensttätigkeit als Redakteur die angeblichen Defizite bemerkt haben müsste. Zudem SWR3-Chef Thomas Jung in einem persönlichen Gespräch vor Zeugen mir gegenüber erklärt hat, dass man mich vom Dienstplan nehme, habe nichts mit meiner Qualifikation zu tun. Ich sei ein (wörtlich) sehr guter Journalist. Und es war derselbe Thomas Jung, der mich nach meiner Demission bei SWR 3 für 6 Wochen auf den Dienstplan als Redakteur genommen hat. Nach der Sichtweise des SWR vor Gericht hätte man also für diese Zeit einen untauglichen Redakteur gesucht. Warum und wofür auch immer.

Es bedarf also durchaus einer besseren Absprache, wenn der SWR meine Kündigung mit Qualitätsmängeln belegen will. Zumal sich nicht alle Arbeitskollegen bei SWR3 zur offiziellen Senderdoktrin verpflichten lassen.

Zum weiteren Statisten seiner Strategie hat Wiechmann offensichtlich SWR3-Comedychef Andreas Müller „verpflichtet“. Obwohl ich Müller mehrfach darüber informiert habe, dass man mir im Studio alle Arbeitsmöglichkeiten inklusive Büro entzogen hat, schickt er mir vermeintliche Auftragsangebote. Ohne Hintergedanken, wie er versichert. Er sei nur an „Content“ interessiert. Für ihn ein ganz normaler Vorgang. So normal, dass SWR-Jurist Wiechmann vorsichtshalber die Aufträge an meine Anwältin weiterleitet und um Bestätigung darüber bittet, ob ich den Auftrag nun annehme oder ablehne.
In der Tat: Jeder, der für SWR3 arbeitet oder gearbeitet hat, wird sicherlich die Sichtweise des Comedy-Chefs bestätigen können, dass dies ein ganz normaler Vorgang sei. Auch, wenn Andreas Müller einmal vergisst, bei seinen „Auftragsangeboten“, die Emailadressen der Unterhaltungsredaktion auf den Mailverteiler zu setzen. Dann steht da nur – ganz einsam – der Mann aus dem Justitiariat in der Adresszeile. Aber wie gesagt, nach Ansicht von SWR3 ein ganz normaler Vorgang.

Auch im Studio Freiburg geht man offensichtlich dem SWR-Justitiariat gerne zur Hand. In einer Mitarbeitersitzung über die Zukunft des Studios Freiburg im Oktober 2013 sitze ich neben Studioleiter Rainer Suchan. Er erklärt u.a. anhand einer Präsentation, wie er sich die Zukunft des Studios vorstellt. Das Übliche, wie es in jedem kleinen Ratgeber für angehende Führungskräfte stehen könnte. Alle müssten an einem Strang ziehen, gemeinsam sei man stark und: alle müssten sich in alle Programme einbringen. Letztere Aussage allerdings ist um so wichtiger, da sie für mich als „SWR3-Mann“ noch eine Rolle spielen soll.

Nur wenige Tage nach dieser Sitzung im Oktober 2013 führt SWR-Jurist Wiechmann gegenüber dem Arbeitsgericht Freiburg an, dass ich – da für SWR3 tätig – im Studio Freiburg als „Externer“ zu gelten habe und lediglich Aufenthaltsrecht genösse. Dieses Aufenthaltsrecht würde ich überstrapazieren, indem (jetzt wörtlich) „er als ungebetener Gast an Informationsveranstaltungen für die Studiobelegschaft über die Zukunft des Standortes Freiburg“ teilnimmt und sich in Dinge einmischt, die ihn als ‚Externen‘ gar nichts angehen.“
Zudem würde ich den Freiburger Kolleginnen und Kollegen Geschäftstätigkeit lediglich vorgaukeln. (Diese Erkenntnis gewinnt er aus einer persönlichen Mail, die ich Andreas Müller geschickt habe und die – wie andere Mails auch – ohne Umwege von dort den Weg ins Justitiariat gefunden haben.)

Das ist umso interessanter, dass Wiechmann diese „Informationen“ – sofern er sie wahrheitsgetreu wiedergegeben hat – vom Freiburger Studioleiter Rainer Suchan erhalten haben muss. (Suchan verweist in einer späteren Mail auf das Auskunftsbegehren des SWR-Juristen, dem er nachgekommen sei). Demnach hat Studioleiter Suchan, nachdem er in besagter Sitzung Gemeinsamkeiten, programmübergreifende Mitarbeit und gegenseitiger Solidarität gefordert hatte, Wiechmann gegenüber genau diese Ansinnen meinerseits – u.a. die programmübergreifende Mitarbeit – als destruktiv bezeichnet.

Auch den Freiburger Studioleiter Rainer Suchan hat Wiechmann als Zeugen benannt. Wie gerne hätten meine Anwältin und ich ihn und die andern von Wiechmann angeführten Zeugen vor Gericht gehört. Allerdings wurde kein einziger von ihnen geladen. Dabei hätte es durchaus der Wahrheitsfindung dienen können. Vielleicht will man die Zeugen in der Berufung hören, in die ich gegangen bin.

Dass diese Berufung zurückgewiesen werden soll, beantragt jetzt für den SWR aber nicht mehr der bisherige Vertreter Peter Wiechmann. Der SWR schickt nun ein Anwaltsbüro aus Baden-Baden ins Rennen. Möglicherweise soll Wiechmann wegen seiner Auftritte – gegen die ich im Rahmen meiner Möglichkeiten vorgehe – aus der Schusslinie genommen werden. Möglicherweise fehlt ihm aber schlicht und einfach die Postulationsfähigkeit, sprich: die Befähigung, den SWR vor höheren Instanzen als der untersten vertreten zu können. Auch das bleibt das Geheimnis des SWR. Alle Anfragen meinerseits bleiben unbeantwortet.

P.S.
Allein, keine geringere als die ehemalige Landessenderdirektorin Ingrid Felgenträger widerspricht den neuesten Einschätzungen des SWR bezüglich meiner Qualifikation. In einem persönlichen Abschiedsschreiben bedauert sie das künftige Fehlen der Gespräche sowie des persönlichen Kontakts mit mir und bedankt sich für die erfolgreiche Zusammenarbeit und meine uneingeschränkte Unterstützung. Tja.

Demnächst mehr an dieser Stelle.
Nicht nur im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst.

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