Arbeitskampf im SWR

Veröffentlicht am 9. März 2014 | von Martin Kissel

++++ Teil 4 – SWR3 – Einfach besser instruiert ++++

Eine meiner langjährigen Tätigkeiten beim SWR ist unter anderem, für SWR3 Comedy-Geschichten zu erfinden und zu produzieren. In jüngster Zeit war das „Kanzlerin voll direkt“, hier ein Beispiel.

Dazu kommt entweder ein Themenvorschlag von SWR3-Comedychef Andreas Müller oder ein Angebot von mir. Produziert hatte ich die letzten 20 Jahre im SWR-Studio in Freiburg mit der SWR-eigenen Technik. Dienstbare Software wurde eigens für mich vom SWR lizenziert, so etwa der WDR-Cutter zum bearbeiten von Hörfunkbeiträgen.
Im September/Oktober 2013 wurden im Freiburger Studio neue Rechner installiert. Auch mir persönlich wurde zunächst – so wie immer – ein eigener Rechner in meinem Büro zugewiesen. Aber offensichtlich gab es anschließend das Bestreben, mich jetzt von der SWR-Infrastruktur abzuhängen, weil der Sender wohl befürchtete, dass sich daraus für mich arbeitsrechtliche Ansprüche ergeben könnten. Der SWR hatte mir ja zum Jahresende 2013 faktisch gekündigt.

Um folgendes Kapitel etwas verständlicher zu halten, habe ich hier nicht die einzelnen Mails verlinkt, sondern – hoffentlich zur besseren Nachvollziehbarkeit – die wortwörtliche Emailkorrespondenz mit SWR3-Comedychef Andreas Müller zusammengefasst.

Der 24. Oktober 2013 sollte ein denkwürdiger Tag für mich werden. SWR3-Comedychef Andreas Müller meldete sich via Mail ganz unverfänglich mit einem Themenvorschlag. Ich habe ihm geantwortet, dass ich im Studio nicht mehr produzieren könne, da mir der SWR den WDR-Cutter immer noch nicht lizenziert habe. So lange das nicht der Fall sei, könne ich nicht arbeiten wie bisher.
Müllers Rückfrage, ob es denn mit dem sendereigenen „Digas“ ginge, erwiderte ich am nächsten Morgen um kurz vor 8 Uhr, dass dies zwar ginge, aber wesentlich komplizierter sei. (Die genaue Wortwahl in diesem Mail wird hier noch eine Rolle spielen.)
Eine weitere Antwort seitens Müller blieb aus, dafür bekam ich am selben Tag diese Email vom Freiburger Studioleiter, Rainer Suchan.

Daraufhin habe ich den Offiziellen Mitarbeiter Andreas Müller wissen lassen: „Tja, Andreas, dann hat ja meine Antwort an Dich schneller die Runde gemacht als der IKS-Antrag. Mit entsprechendem Erfolg. Seitens des SWR wurde einmal mehr eine Tatsache neu interpretiert. Fast schon traditionell.“

Über Andreas Müller haben meine Mails ohne größere Umwege das Justiziariat erreicht, wo man seit etlichen Monaten an meiner „Demission“ arbeitet. Unter anderem wird der Vertreter des SWR-Justiziariats, Peter Wiechmann, Teilinhalte aus dem Mailverkehr später dem Arbeitsgericht gegenüber falsch darstellen. Dieses Kapitel wird zu einem späteren Zeitpunkt reichlich Platz für die Darstellung beanspruchen – und muss wohl die entsprechende Rechtsanwaltskammer beschäftigen.

Am 8. November 2013 habe ich mein Büro geräumt, ohne es vorher zu versäumen, Studioleiter Suchan als offizielles Räumungsbestätigungsbegleitschreiben (mit Mehrfachausfertigung)  diese Mailantwort zukommen zu lassen. Wer der deutschen Grammatik mächtig ist und zwischen Indikativ und Konjunktiv zu unterscheiden weiß, wird feststellen, dass der Freiburger Studioleiter aufgrund seiner Ausführungen lediglich seinem Dienstherrn zu gehorchen scheint. Dass auch er Inhalte falsch wiedergab, hat mich an dieser Stelle schon gar nicht mehr verwundert.

Ach ja, der angeblich so dringend benötigte Platz wurde erst Wochen später belegt – wider Willen vom Volontär des Experimentalstudios. Dessen Leiter hatte mir vorher versichert, dass er zu keiner Zeit diesen Platz für sich oder seine Mitarbeiter reklamiert hatte. Der Volontär sitzt nur sehr selten an diesem Platz, er benötigt ihn schlichtweg so gut wie nicht. Auch die Freiburger Hörfunkbüros stehen weiterhin zur Hälfte leer. Dennoch solle es an Platz für mich im Freiburger Studio des SWR fehlen.

Ungeachtet der Situation – der SWR hat mir faktisch gekündigt und mir alle Arbeitsvoraussetzungen im Freiburger Studio entzogen – schickt mir SWR3-Comedychef Andreas Müller via Email weiterhin „Arbeitsangebote.“ Warum, bleibt sein Geheimnis. Ich werde später versuchen, das aus meiner Sicht zu erklären.

Am 17. Dezember 2013, fünf Tage nach einer erneuten Mail mit einem „Arbeitsangebot“, rufe ich Müller an, und frage ihn, ob er immer noch nicht wisse, dass mir der SWR alle Produktionsmöglichkeiten entzogen habe. Relativ gleichgültig erwiderte er, dass ich ja zuhause am eigenen Rechner produzieren könne, wie alle anderen Autoren auch. Ich teile ihm mit, dass ich kein Autor wie „alle anderen“ bin, sondern ein so genannter „12a-Freier“ (langjähriger arbeitnehmerähnlicher Mitarbeiter, der dem Schutz des Tarifvertrages unterliegt). In diesem Telefonat sage ich Müller auch, dass ich „Kanzlerin voll direkt“ erst wieder produzieren werde, wenn der SWR für mich die gleichen Arbeitsbedingungen wie bei allen anderen „12a-Freien“ schafft.

Einen Tag später, am 18. Dezember 2013, findet vor dem Freiburger Arbeitsgericht die Verhandlung in erster Instanz statt. Zweifelsohne hat der SWR3-Comedychef dem Vertreter des SWR-Justiziariats, Peter Wiechmann, auch über unser jüngstes Telefonat detailliert Rapport erstattet.
Denn Wiechmann beruft sich auf seinen Informanten und stellt am Ende der Verhandlung eine Behauptung auf, die nur einen Schluss zulässt: wenn SWR3-Comedychef Andreas Müller bei einer – mehrfach vor Zeugen – mir gegenüber gemachten Aussage bleibt, dann hat der Vertreter des SWR-Justiziariats vor Gericht gelogen.

Demnächst an dieser Stelle mehr.
Die eigenen Wahrheiten des juristischen SWR-Vertreters Peter Wiechmann.

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