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Veröffentlicht am 7. Februar 2014 | von Martin Kissel

Not und Spiele

Not und Spiele - Sotschi 2014; Bild; Reporters without borders

Bild: Reporters Without Borders

Bilder: Reporters without Borders

Was ist nur los mit mir. Warum habe ich nur an diesen Olympischen Winterspielen komplett das Interesse verloren?

 Liegt es nur an diesem unsäglichen Kleine-Mann-Syndrom eines demokratiefremden russischen Präsidenten, wie es zeit-online in einer herrlich respektlosen Fotostrecke dokumentiert? Im Land der Olympischen Spiele 2014 gäbe es dafür 15 Jahre Gulag.

 Ist es dieses unsägliche IOC mit seinem selbstgefälligen Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim als Präsidenten, der 23 Jahre Mitgliedschaft benötigt hat, um seinen Lebenstraum zu verwirklichen und dahin zu kommen, wo er hinwollte – nach ganz oben?
Der die Politik, sobald sie einmal nicht als Geldgeber fungiert, vom Sport fernhalten will? Dem es ausreicht, wenn eine akzeptable Menschenrechtssituation und würdige Lebensumstände auf die Dauer der Spiele begrenzt werden. Denn es genüge „in diesen Tagen zu zeigen, dass ein diskriminierungsfreier, respektvoller Umgang miteinander möglich ist.“

Ist es dieser unsägliche Gerhard Schröder auf der Lohnliste des russischen Gaskartells, dessen lupenreiner Demokratiefreund die Minijob-Idee beim Bau dieser Reißbrettspiele perfekt umzusetzen wusste?

Ist es dieser Firlefranz Beckenbauer, der der Eröffnung der Spiele heute Abend beiwohnt und sich nach eigenem Bekunden auf seine ersten Olympischen Winterspiele freut, um der Welt zu zeigen, dass es dort, wo der Kaiser auftaucht, gar keine Sklaven in Ketten geben kann?

Ist es die (Zu-)Vielzahl der Trainer und Sportler selbst, die mit ihrem stereotypen, gebetsmühlenartigen Glaubensbekenntnis zum Sport unter Ausschluss nahezu jeglicher Empathie der Welt erklären wollen (ohne es zu können), warum rigorose Menschenrechtsverletzungen und eine beispiellose Umweltzerstörung nicht die geringste Rolle spielen sollten, wenn es doch weitaus wichtigeres ginge wie etwa Medaillen.

Ist es das Wissen um das Potjomkinsche Dorf WADA, der World Anti-Doping Agency, die potentiellen Betrügern das Fürchten lehrt, weil sie die Dopingproben der Olympischen Winterspiele in Sotschi jetzt für zehn Jahre statt nur acht Jahre einfrieren will. Die WADA wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht gleichzeitig auch noch zeigte, wie ernst es ihr mit der Umsetzung ist. Der neue WADA-Code ist erst vom 1. Januar 2015 an gültig.

Oder ist es gar …. Ach was, was immer es auch ist, ich habe einfach kein Interesse an dieser Olympischen Lüge.

Ich freue mich aber über die kritischen Worte eines ansonsten CSU-affinen Schorsch Hackl, wie er sie in der Passauer Neuen Presse geäußert hat.

Damit, dass sich Putin die Spiele kaufen konnte, hat sich das IOC keinen Gefallen getan… Statt freundlichen Volunteers, stehen dort Soldaten mit Gummiknüppeln an jeder Ecke, bestimmen die Wege der Athleten, verhindern Fotos an Sportanlagen, als ob es Spionage wäre.“ Aus eigener Erfahrung berichtete er: „Da steht alle zwanzig Meter wieder einer mit Gummiknüppel und sagt: ‚No foto!‘ Dann sagst du: Ja, leck mich am Arsch, ich mach jetzt trotzdem ein Foto. Und dann gehen die auf dich los.“

Ich freue mich über die gelungene „Fahnenflucht“ der Biathletin Andrea Henkel, auch wenn sie den Verzicht der großen Ehre beim Einmarsch der Nationen aus sportlich nachvollziehbaren Gründen erklärt. Ich meine beim letzten TV-Interview bei ihr herausgehört zu haben, dass sie sich bessere Orte für das friedliche Fest der Sportler vorstellen könnte.

Und ich freue mich auf die kritischen Hintergrundberichte der Kolleginnen und Kollegen der Print- und der elektronischen Medien, sowie der entsprechenden Internetauftritte, etwa von „Reporter ohne Grenzen„.

Mögen die Spiele beginnen – wenn auch ohne mich.


                                




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