Freiburg

Veröffentlicht am 5. Februar 2014 | von Martin Kissel

Wenn ein Industriegebiet zum Green Industry Park werden soll

Industriegebiete – die Vergangenheit ist grau, die Zukunft grün.
Bild: HorseBadorties, Pixabay

„Industriegebiet Nord“, das klingt kalt und nach Vergangenheit. „Green Industry Park“ klingt warm, zukunftsgerichtet. Grüne Industrie, da geht doch was, dachten sich die Stadt Freiburg, ihr Tochterunternehmen Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM), das Energieunternehmen Badenova und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). Recht haben sie, da geht was.

 „Unser Ziel ist es, dass das größte Freiburger Industriegebiet ein nachhaltiges, energie- und ressourceneffizientes Industriegebiet mit bundesweitem Modellcharakter wird“, sagt Freiburgs Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik.

Das passt nahtlos zum ambitionierten Freiburger Klimaschutzziel, bis 2030 40 Prozent CO2-Emissionen einzusparen.

Aber diese Klimaziel ist zur Sisyphusarbeit geworden. Schwadronieren doch die Parteipolitiker der großen Koalition unaufhörlich von „bezahlbarer Energie“ und meinen: „Hauptsache jetzt billig, die Folgekosten für die nachfolgenden Generationen sind für unsere Sache uninteressant.“

Da wird ein altes Kohlekraftwerk nach dem anderen angeworfen, während die wesentlich weniger umweltschädlichen, nagelneuen Gaskraftwerke kalt bleiben. Vom Ausbaustopp alternativer Energien ganz zu schweigen. Umweltpolitik geht anders.

Und weil man das in Freiburg schon länger weiß, ist diese neue Initiative, deren Ziel ein „Leuchtturmprojekt“ werden soll, nur eine weitere logische Konsequenz.

Die Energiewende, das heißt, gemeinsames Engagement aller Energieverbraucher, sowohl das der Bewohner dieser Stadt als auch seines Gewerbes und seiner Industrie.

Aber was heißt das konkret? Wie soll er genau aussehen, dieser grüne Industriepark? „Wir haben eine gemeinsame Vision und wollen ein starkes Netzwerk mit kompetenten Partnern aufbauen, damit das Industriegebiet Nord zu einem Vorzeigeareal und einer Marke machen, mit der die ansässigen Unternehmen sich identifizieren“, äußert sich – da visionär – wenig konkret Bernd Dallmann, Geschäftsführer der FWTM. Ausgearbeitete Pläne habe man nicht in der Schublade.

Sicher ist nur: die Initiative zielt auf das Einsparpotential und die Energieeffizienz.

50 Prozent Potential sieht Gerhard Stryi-Hipp vom ISE bei der Verbesserung der Energieeffizienz. Und das Freiburger Industriegebiet Nord hat in dieser Hinsicht immensen Nachholbedarf. Darf man es angesichts des Status Quo doch getrost als „Energiesparbrache“ bezeichnen.

Wenn die einzelnen Unternehmen aber beginnen, nachzurechnen, dann werden sie auch den betriebswirtschaftlichen Nutzen der energetischen Investitionen feststellen.

Zusammenfassend wird es also Aufgabe dieser neuen Initiative sein, den Gewerbe- und Industriebetrieben vor Ort mit Sachverstand und administrativer Unterstützung zur Seite zu stehen und damit einen Nachahmeeffekt zu erzielen.

Wenn zwei nebeneinander liegende Betriebe erkennen, dass sich etwa eine gemeinsame moderne kraft-wärme-gekoppelte Heizungsanlage für beide rentiert, dann gibt es keinen Grund, die Pläne nicht in die Tat umzusetzen. Und Klimaschutz gibt’s dann noch extra „nebenbei“ dazu.

Und wenn diese beiden Betriebe das können, warum sollten es dann die gegenüberliegende nicht auch können? Und die daneben?

Erste Erfahrungen im betrieblichen Umweltschutz hat die Verwaltung bereits mit dem seit vier Jahren laufenden Projekt „Ecofit“ machen können, hier werden Freiburger Unternehmen in ihrem Klimaschutz- und Einsparmanagement begleitet und unterstützt.

Der Anfang zur Entwicklung zum grünen Industriegebiet kommt eher langweilig daher. Der erste Schritt ist eine Datenerhebung bei den ansässigen Unternehmen, um eine Übersicht über die Energieströme zu bekommen: wo wird was verbraucht, wo wird Energie produziert, wo fällt Abwärme an. In einem zweiten Schritt soll geprüft werden, ob sich diese Energieströme optimieren lassen. So könnte beispielsweise die überschüssige Abwärme eines Betriebs beim benachbarten Unternehmen eine Halle heizen.

Daraus entsteht ein Maßnahmenkatalog, aus dem ersichtlich ist, welche Maßnahmen wo und mit welcher Priorität angegangen werden können. Es folgt die Vernetzung bestehender und der Anschub neuer, innovativer Projekte. Das Potential ist groß.

Nach und nach – es wird Jahre dauern – wird das Ergebnis sichtbar.

Und während sie in Villaberlin noch überlegen, wie viele Kohlekraftwerke man für „billige“ Energie noch bauen muss, feiern sie in Villafreiburg schon ihren Green Industry Park.

 

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